Menuhin und wie er die Welt sieht
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I. Arroganz

Vor kurzem wurde ein Vertreter des Jerusalemer Simon Wiesenthal Center (die mit der eigenwilligen „Toleranz“, Sie erinnern sich) in Wien von Justizministerin Gastinger und Innenministerin Prokop empfangen. Es ging um das übliche Thema: Warum Österreich nicht mehr tue, um manche 90-plus-x-jährigen angeblichen Ex-Nazis zu fangen und zu bestrafen.

Merkwürdig, dass von öffentlichem Geld bezahlte Minister nichts besseres mit ihrer Zeit anzufangen haben, als den von seiner eigenen Wichtigkeit überaus überzeugten Herrn Zuroff (so hieß der hohe Gast) zum Kaffeeklatsch zu empfangen. Und das, obwohl dieser sich mit gehöriger „Chutzpah“ in die inneren Angelegenheiten des souveränen Staates Österreich einmischte. Und Österreich schließlich sogar als „Paradies für Nazi-Verbrecher“ diffamierte.

Was die Frage angeht, ob 92-jährige Menschen verhaftet werden sollten, weil sie sich angeblich vor mehr als 60 Jahren strafbar gemacht hätten: Ich rate davon ab! Sonst könnte man beispielsweise auch manche Bürger Israels im Greisenalter jagen, weil sie sich im unter britischem Mandat stehenden Palästina des Terrorismus schuldig gemacht hätten. Kampfgenossen Menachem Begins etwa, des verstorbenen Ministerpräsidenten, der zu der Terrorbande Irgun Z’vai Leumi gehörte. Und in einem halben Jahrhundert könnten Hundertjährige wegen heutiger Gewalttaten gegen palästinensische Zivilisten strafverfolgt werden. Es gibt nicht nur eine Gruppe, die ein langes Gedächtnis hat.

Also lassen wir es am besten – allseitig. Leben wir in der Gegenwart und für die Zukunft, anstatt unsere Zeit und die unserer Kinder zu verschwenden! Leute, es ist vorbei! Schluss damit! Oder wie es im Disney-Trickfilm heißt: „That’s all, folks!“

II. Ignoranz

Das Internet ist beim Recherchieren eine große Hilfe. Man muss sich allerdings stets daran erinnern, dass die Informationen nur so vertrauenswürdig sind wie derjenige, der sie ins Netz gestellt hat. Denn dieses Medium macht es jedem Ignoranten möglich, seine Meinung in alle Welt zu blöken.

Da steht ein Bericht, der nur von einem Experten stammen kann, Seite an Seite mit einem so genannten „blog“ von jemandem, der sich einen ach so komischen Namen ausgedacht hat und sich mit seinen unfertigen Ideen wichtig machen möchte. Früher wäre der Maulheld vor lauter Verlegenheit unter den Tisch gekrochen. Heute fühlt er sich sicher vor dem Bildschirm in seiner Bude. Da gilt es, den Humor zu behalten.

Trotzdem ist nichts schädlicher als der Schrei nach Zensur. Das Problem der Ignoranz löst sich erst, wo man sich traut, zum Beispiel die Zeitung seines Gegners zu lesen. Man versteht dann, dass es völlig andere Sichtweisen gibt. Doch auch in Zeiten modernster Informationstechnologie schaffen es nur die Wenigsten, über ihren Schatten zu springen. Der Grundsatz lautet immer noch: „Bitte verwirr mich nicht mit Tatsachen!“

III. Die Meisterklasse

Die Klasse von 2006 hat gut gearbeitet. Sie hat ihre Lektion gelernt, die neuen Definitionen von „Toleranz“ und „Demokratie“ gemeistert und ist den Anweisungen gehorsam gefolgt: Das „Netzwerk für Demokratie und Toleranz“ in Sachsen-Anhalt unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Böhmer (CDU) hat sogar eine staatlich anerkannte „staatspolitische Bildungsveranstaltung“ durchgeführt, um gegen Stimmen für die DVU zu werben und um Strategien zur Verhinderung des Einzugs der Rechtspartei in den Landtag bei der Wahl am 26. März zu ersinnen.

Von den USA haben sie die neue Bedeutung des Worts „Demokratie“ gelernt – sowas wie die Demokratie im Irak! Von einigen Zionisten haben sie die „Toleranz“ gelernt – sowas wie die Toleranz des „Zentrums für Menschenwürde – Museum der Toleranz“, das das Simon Wiesenthal Center für 150 Millionen Dollar über den Gräbern von Palästinensern zu bauen plant!

Nicht nur, dass dieses vom Ministerpräsidenten genehmigte „Netzwerk“ gesetzwidrig agiert, weil es von der zur parteipolitischen Neutralität verpflichteten Landeszentrale für politische Bildung koordiniert wird. Es betreibt zudem eine Art von Propaganda, auf die selbst ein Dr. Goebbels stolz gewesen wäre.

Was dort getrieben wird, ist offensichtlich undemokratisch und intolerant. Welch unfreiwillige Ironie, dass eine staatlich gelenkte Organisation sich „demokratisch“ nennt und gleichzeitig versucht, die demokratische Wahl zu beeinflussen, indem sie Menschen daran hindern will, ihrem Gewissen zu folgen.

Gerard Menuhin