Menuhin und wie er die Welt sieht
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Auf unsere Regierung haben wir leider keinen Einfluss!

Papa, der Verfassungsschutz warnt vor einer steigenden Anschlagsgefahr in Deutschland!

Hab ich auch gehört.

Sie sagen, das sei die Folge der weltweiten Anti-Terror-Einsätze der Bundeswehr. Irgendwie merkwürdig, oder?

Hmm. Alles hat seinen Preis.

Papa, ist das menschliche Leben wertvoll?

Was ist das schon wieder für eine merkwürdige Frage – von einem Fünfzehnjährigen? Lernst du denn überhaupt nichts in der Schule?

Dort sagt man uns, das menschliche Leben sei das höchste Gut.

Na, siehst du. Die Bibel spricht auch über die Heiligkeit des Lebens.

Warum schützt uns dann die Bundesregierung nicht vor Terroristen, die in Bahnhöfen Bomben legen?

Das war im Sommer. Inzwischen sind beide Kofferbomber inhaftiert.

Aber jetzt heißt es, dass der weltweite Anti-Terror-Einsatz deutscher Soldaten die Bedrohung vergrößert. Es kommen bestimmt andere.

Dagegen wollen sie eine Datei aufbauen. Das braucht Zeit.

Du meinst, sie müssen uns erst noch mehr ausspionieren.

Information ist alles!

Warum wollen Muslime aber Anschläge auf uns verüben? Was habe ich denen getan?

Wir haben ihnen nichts getan, sie sind einfach Terroristen.

Meinst du, es gibt Leute und es gibt Terroristen wie es Gute und Schlechte gibt?

Ja, klar.

Papa, unser Sozialkundelehrer sagt, das kommt davon, dass sich die Bundesregierung an die Seite von Amerika und Israel stellt und den Krieg im Irak und im Libanon gutgeheißen hat.

Was der alles weiß. Diese Leute sind gewalttätig und verstehen keine andere Sprache!

Wer sind denn „die“? Sieht das auch die Bundeskanzlerin so?

Ja, selbstverständlich, davon gehe ich aus.

Aber, Papa, wenn unser Leben einen solchen Wert hat, dann sollte man es schützen.

Und wie soll die Frau Merkel uns in ganz Deutschland vor völlig unbekannten Bombenlegern schützen?

Vielleicht indem sie mit „denen“ anders umgeht und ihre Politik überdenkt? Unser Lehrer sagt übrigens, die Kriege im Irak und im Libanon verstießen gegen das Völkerrecht. Und das Grundgesetz verbiete jede Unterstützung von Handlungen, die das friedliche Zusammenleben der Völker stören.

Papperlapapp. Der Punkt ist: Wir verhandeln nicht mit Terroristen!

Klingt so einfach wie „Ich esse kein Fleisch“.

Ist es auch. Die Amerikaner und Engländer tun es auch nicht.

Und was hat ihnen ihre Politik gebracht? Oder sind die Toten von New York, London, Madrid unwichtig?

Du kennst jetzt meinen Standpunkt.

Heißt das, dass du auch nicht mit „denen“ verhandeln würdest?

Genau das.

Aber wir reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Du hast keine gepanzerte Limousine oder Leibwächter wie die Bundeskanzlerin.

Macht nichts, wir müssen solidarisch sein.

Politiker nehmen sich das Recht, realitätsfern zu denken. Das musst du nicht.

Unsere Volksvertreter wissen mehr als wir.

Wissen sie auch, wie es sich anfühlt, ein Bein durch eine Bombe zu verlieren. Wie wirst du dich fühlen, wenn ich auf dem Schulweg durch eine Bombe sterbe?

Das wirst du nicht.

Mit Hellsehern verhandelst du also schon?

Statistisch gesehen hast du eine gute Chance, nicht getroffen zu werden.

Das ist äußerst beruhigend! Nein, die Sache ist ganz klar: Entweder ist jedes menschliches Leben wichtig - oder nicht. Also sagen wir denen, dass wir ihren Ärger verstehen und uns aus allen Konflikten mit ihnen heraushalten wollen! Diese Nachricht verbreiten wir solange, bis jedem klar ist, dass wir freundlich und neutral sind. Wir sagen auch den Amerikanern, dass sie ihre Kriege von jetzt an allein führen können. Damit retten wir unzählige unschuldige Menschenleben.

Das wäre feige – unsere Verbündeten im Stich zu lassen! Unsere Feinde würden sich freuen.

Papa, das ist doch Quatsch! Seit wann sind die Araber unsere Feinde?

Wohin willst du mit dem Plakat?

Ich gehe zum Hauptbahnhof.

Was steht denn da drauf?

„Terroristen aller Art! Erörtern Sie Ihre Anliegen bitte mit der Bundesregierung statt unschuldige Menschen in der Bahn anzugreifen. Das deutsche Volk ist der Freund aller Völker. Auf unsere Regierung haben wir leider keinen Einfluss!“

Solange du deine Beine unter meinen Tisch stellst, wirst du das bleiben lassen! Was sollen denn meine Kollegen denken?

Dass ich Recht habe, Papa! Tschüss!

Gerard Menuhin