Menuhin und wie er die Welt sieht
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Der Kluge reist im Zuge.
Und was macht Herr Gabriel?

Nachdem das Ausmaß des anthropogenen (vom Menschen verursachten) Treibhauseffekts auch für die größten Optimisten und Verdränger offenkundig geworden ist, hat die Bundesregierung sich zur Ablenkung von ihren gravierenden verkehrspolitischen Fehlern auf ein unwichtiges Thema gestürzt: den Benzinverbrauch ihrer Dienstwagen. Vorgeschlagen wird eine Ausgleichsabgabe, um Dienstfahrten mit dem Fuhrpark der Regierung „klimaneutral“ zu stellen. Eine Art moderner Ablasshandel nach dem Motto „Sündige und zahle“ also. Das holt natürlich kein Gramm des ausgestoßenen Kohlendioxids aus der Atmosphäre zurück.

Von der Energie- und Ressourcenbilanz her bringt es gar nichts, wenn sich die Minister nun schon wieder neue, aber kleinere und leichtere Fahrzeuge zulegen. Zumal einige Mitglieder von Merkels Pillsbury-Backboy-Mannschaft selbst das Gewicht gewaltig in die Höhe treiben. Wenn vorne links der Stander zum Beispiel des „Umweltministers“ Sigmar Gabriel weht, schleppt die Karre deutlich mehr als das Leergewicht über deutsche Straßen. Der EU-Zielwert für Pkw von 120 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenen Kilometer ist mit dieser ministerialen Zuladung keinesfalls zu erreichen.

Intelligente Verkehrspolitik? Fehlanzeige!

Es wäre allenfalls ein Zeichen der Solidarität mit dem normalen, unwichtigen Bürger, wenn sich ein solches Machttier in einem der heute doch wirklich geräumigen und komfortablen Kleinwagen fortbewegen ließe. Auch wenn es leider kein Fahrzeug mit Benzin/Elektro-Hybridantrieb aus deutscher Produktion sein kann. Denn die Technik dafür ist zwar 1972 in Deutschland entwickelt worden, aber aufgrund falscher politischer Weichenstellungen machen das große Geschäft damit jetzt die Japaner.

Es liegt mir fern zu behaupten, dass Politikertransporte gänzlich unnötig sind. Doch sollte der Volksvertreter die öffentlichen Verkehrsmittel benützen. Damit würde er ein Zeichen setzen. „Der Kluge reist im Zuge“, lautet das Motto der dank einer intelligenten Verkehrspolitik ganz exzellenten Schweizerischen Bundesbahnen. Die in Deutschland Herrschenden fühlen sich da aus gutem Grund nicht angesprochen.

Der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Torsten Albig, erklärt uns, warum Nobelkarossen den Ministern unentbehrlich sind: „Die Fahrzeuge der Regierungsmitglieder sind schwer, um die Sicherheit zu gewährleisten. Die Sicherheit und Integrität der Personen hat erste Priorität. Es ist nicht vorstellbar, dass wir künftig gepanzerte Golf bestellen werden.“

Wie Schätze der Republik in fahrenden Tresoren

Was sollen wir hier unter „Integrität“ verstehen? Wahrscheinlich meint Herr Albig damit nur die körperliche Unversehrtheit des Ministers. Dass er nicht während der Fahrt Schaden nimmt und besonders nach dem Essen weich sitzt und auf keinen Fall auseinanderfliegt. Aber die geistige, menschliche, moralische Integrität dieser Menschen kann leider kein gepanzerter Dienstwagen gewährleisten geschweige denn, wo dies nötig ist, wiederherstellen. Wer sind überhaupt diese Herrschaften, dass wir sie wie Schätze der Republik in fahrenden Tresoren herumchauffieren?

Meine Meinung: Es wird den Damen und Herren Politikern schon nichts zustoßen. Aber durch ihre Schuld steht täglich völlig unnötigerweise das Leben deutscher Soldaten in Afghanistan und anderswo auf dem Spiel – da mögen sie sich doch bitte nicht so wichtig nehmen. Wobei ich Verständnis dafür habe, wenn der normale Pendler so jemanden nicht an seiner Seite haben will, falls doch einmal etwas passieren sollte.

Wie kann so jemand das Umweltressort behalten?

Eine Frage habe ich aber doch noch: Geht es dem Herrn Auf-der-politischen-Durchreise-Umweltminister Gabriel um seine Sicherheit oder um den Klimaschutz, wenn er ankündigt, bei seinem nächsten privaten Ferienflug eine Ausgleichszahlung für seine Flugkilometer zu zahlen? Warum kann er in seiner wichtigen Position mit Vorbildfunktion nicht einfach klimaschonend mit der Bahn in Mitteleuropa verreisen?

Wer im Urlaub zum Beispiel von Berlin nach Saigon fliegt, verursacht dabei 6,72 Tonnen Kohlendioxid pro Kopf. Fährt der Hauptstädter dagegen mit dem Zug in das Ostseebad Binz auf Rügen und zurück, ist es nur ein Zweihunderstel davon: knapp 34 Kilogramm. Herr Gabriel entscheidet sich auch hier für die tonnenschwere Variante – mit „Ausgleichszahlung“, versteht sich. Wie kann so jemand das Umweltressort bekommen und behalten?

Allerdings: Wenn nun die Grünen versuchen, sich als Umweltschützer zu profilieren, ist das nur noch lächerlich. Als sie regierten, haben sie die Außenpolitik verschlimmert und Zuwanderungspolitik gemacht – statt für einen attraktiven und erschwinglichen öffentlichen Verkehr und für die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene zu sorgen. Ihre Limousinen soffen nicht weniger, nur dass es eben um die „Sicherheit“ von Schwergewichten wie Herrn Bütikofer und Frau Roth ging. Und ihr Fraktionsvorsitzender Rezzo Schlauch – vielleicht erinnert sich noch jemand an ihn – flog gleich mit Bonusmeilen privat nach Thailand.

PS: Schädliche Emissionen verursachen Politiker leider nicht erst, wenn sie transportiert werden. Ich schlage die Gründung einer Bürgerstiftung „Politikertest“ vor, die sie jeden Monat auf Herz und Nieren prüft und bewertet. Die Notenskala der „Stiftung Warentest“, die nur bis „ungenügend“ reicht, genügt für Typen vom Schlage eines Sigmar Gabriel aber offensichtlich nicht.

Gerard Menuhin