Menuhin und wie er die Welt sieht
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Der Schminkkönig und der Schmierkönig


Auf der Internetseite des Jüdischen Weltkongresses (Bild) spielt die Nichteinladung der Schweiz zu Israels 60-Jahr-Feierlichkeiten die zentrale Rolle. Gleich darunter die Aufforderung des Weltkongress-Präsidenten an die Schweiz, den Gasliefervertrag mit dem Iran zu kündigen. Ob das rechtlich geht („pacta sunt servanda“) ist offenbar ganz gleichgültig.
Hallo Leute! Verzeihen Sie mir, wenn ich ein bisschen außer Atem bin, aber es ist gerade etwas ganz Wichtiges in der Schweiz passiert. Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund hat einen neuen Präsidenten gewählt! Wie? Sie glauben nicht, dass das wichtig ist? Darüber wurde aber hierzulande in den Fernsehnachrichten berichtet. Nicht irgendwo, sondern unter den ersten Themen. Also muss es wichtig sein. Zumal unser eigener Präsident und Bilderberger Couchepin, samt Kappe, auch dabei war. Und sogar der Präsident des Jüdischen Intergalaktischen Kongresses selbst, Herr Ronald Lauder, also das Anspruchszentrum par excellence.

Lauder und Broder

Es ist Herrn Lauder, der sein Schmink-imperium von seiner Mutter Josephine Esther Mentzer geerbt hat, vermutlich klar, dass ein bisschen Kosmetik auch den zionistischen Anliegen guttut. Aber er ist auch ein weiser und mutiger Mann. Er hatte die Weisheit und den Mut dazu, seinem Gastgeberland Schweiz zu sagen, es sollte Präsident Ahmedinedschad keine Besuche abstatten und den Gasvertrag mit dem Iran kündigen. Warum das? Weil das Geld gegen Israel benützt werden könnte. Klingt äußerst vernünftig, nicht wahr? Die Frage ist nun: Wird die Schweiz diese Befehle durchführen? Oder wird sie sich störrisch zeigen, bloß weil die oben genannten abwegigen Vermutungen keineswegs die Schweiz touchieren? Wenn die Schweiz nicht nachgibt, bleibt es dabei, dass sie nicht zu den Feiern zu Israels 60. Geburtstag eingeladen wird. Und Sie alle wissen, was das heißt. Ja, das heißt, dass die Schweiz nicht zu der 60-Jahr-Feier des Staates Israel eingeladen wird. So ist es.

Ein anderer mutiger und weiser Jude ist Henryk Broder. Er hat in der deutschen Zeitschrift „Spiegel“ vom Stapel gelassen, dass die Deutschen „nach 1945 preiswert davongekommen sind“. Alles, was die Deutschen im Krieg und nach dem Krieg durchmachen mussten, waren laut Broder nur „Unannehmlichkeiten“: „Die Strafe blieb aus. Es wäre für die Befindlichkeit der Deutschen besser und gesünder gewesen, wenn es eine gegeben hätte.“ Mit anderen Worten: Wenn „die Deutschen“ eine nach Broders Meinung angemessene Strafe bekommen hätten, wäre keine jahrzehntelange Bewältigung nötig gewesen. Es ist keineswegs der atemberaubende Höhepunkt des Zynismus, wenn Broder nun „die Deutschen“ für ihren Schuldkomplex selbst verantwortlich macht. Es ist doch jedem vernünftig Denkenden klar, dass die Deutschen selbst schuldig sind - nicht nur für den Krieg, für alle Untaten, sondern auch für ihre eigene Nachkriegsergebenheit und ihr Vasallentum, durch das sie sich auch zweifellos dazu gezwungen haben, Milliarden für jüdische bzw. israelische Angelegenheiten zu bezahlen.

Der ist aber echt mutig! Wenn ich – Gott bewahre! – durch Zürich oder London laufen würde und meine Schweizer bzw. englischen Mitbürger beleidigen würde, wie dies HB mit den Deutschen tut, müsste ich um mein Leben fürchten.

Was vereint nun Lauder und Broder, diese beiden mutigen Männer? Was sagen Sie? Die sind beide Juden? Das stimmt allerdings, aber das bin ich auch. Aber Herr Lauder ist ein sehr reicher, einflussreicher Geschäftsmann. Ja, nicht selbstgemacht, aber trotzdem. Und Herr Broder, er ist Spiegel-Journalist und betreibt die weltbekannte Internetseite „Achse des Guten“. Muss ich mehr sagen?

Wie intolerant und rassistisch von Ihnen!

Ja, ich muss, finden Sie. Meinen Sie etwa, wenn ein Schminkkönig ein souveränes Land ermahnt, seine Außenpolitik zu ändern, und ein Schmierkönig moralische Lektionen erteilt, müsse der ordinäre Bürger den beiden keine Aufmerksamkeit widmen? Und dass angesichts dessen, was Millionen von Deutschen, unschuldigen Frauen und Kindern, während Krieg und Vertreibung angetan wurde, die Meinung Broders eine empörende Beleidigung sei? Das ist ein bißchen intolerant (Handelsmarke), wenn nicht geradezu rassistisch (Handelsmarke) von Ihnen. Ich muss den armen Henryk in Schutz nehmen. Nur weil er im Gegensatz zu den meisten gebildeten Menschen meine Abstammung nicht zu kennen scheint (er bezeichnet mich als „Enkel“ des Geigers „Menachem“ Menuhin), nur weil er ein bärtiger Stutzer ist, der dank seiner Herkunft mit solch albernen Gedanken seinen Lebensunterhalt gewinnen kann, heißt das längst nicht, dass wir ihn nicht für seinen Mut und seine Weisheit bewundern sollen.

Ich dulde da keinen Widerspruch! Broder tut nur das, was er zu tun gelernt hat. Wenn Sie glauben, bei ihm zeige sich – und zwar ganz ungeschminkt – die Fratze des Deutschlandhasses, liegen Sie schon wieder mit Ihrem Antisemitismus (Handelsmarke) falsch. Es ist einfach eine Arbeit. Vielleicht nicht wie alle anderen, aber der Mensch muss leben, nicht wahr?

Gerard Menuhin