Menuhin und wie er die Welt sieht
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Deutschland bleibt Schlüsselland
Nach dem Besuch von US-Präsident George W. Bush

„Huhn aus Blech, zum Aufziehen, gackert ohrenbetäubend und legt Eier“. Obwohl kein Sammler mechanischen Spielzeugs, ließ mich diese Annonce aufmerken. Ich musste an Politiker aus dem Grünen-Stall denken, die uns Komödien mit durchgestrichenen Hakenkreuz-„Buttons“ vorführen (Roth), eine türkische Version der deutschen Nationalhymne vorschlagen (Ströbele) oder deklarieren: „Nationalstolz können wir höchstens daraus beziehen, dass es uns gelungen ist, aus dem Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus ein echtes Engagement für Demokratie, Rechtstaatlichkeit und Menschenwürde zu machen.“ Letzteres Ei hat Frau Künast gelegt. Ihr zufolge gab es also vor 1933 weder Gründe für deutschen Nationalstolz noch Demokratie, Rechtsstaatlichkeit oder Menschenwürde. Wenn diese erbärmliche Äußerung kein Beweis dafür ist, wie gründlich die Umerziehung in ihrer Generation gewütet hat!

„Handtasche, Schnalle defekt“. So würde ich einen Politiker wie „Gros-plein-de-soupe“ Kurt Beck, Ministerpräsident und SPD-Vorsitzender, beschreiben. Ihm entfährt manche bezeichnende politische Blödheit. Beispielsweise: „Die Auswirkungen der demographischen Entwicklung sehen wir als Chance.“

Eigene, deutsche Position!

Schwieriger ist die Bundeskanzlerin einzuordnen. Vielleicht wenn man Blechhühner mit Uhrwerksantrieb und Handtaschen mit unzuverlässigen Schnallen irgendwie kreuzen könnte? Ist die Bundeskanzlerin richtig aufgezogen, marschiert sie mit ihren oft zitierten „kleinen Schritten“ im Dienst irgendeines Anliegens, das mit Deutschland nichts zu tun hat, gackernd vor ihrem Revier auf. Aus ihrem (etwas unzuverlässigen) Lautbildungsorgan schallt es dann ganz nach Belieben Amerikas, Israels oder auch mal Polens.

Diese Art des „Regierens“ scheint Frau Merkel auf die Dauer doch zu schaden. Laut einer gerade veröffentlichten Umfrage von Infratest dimap in Mecklenburg-Vorpommern wünschen sich 66 Prozent der Befragten, dass Angela Merkel die eigene, deutsche Position deutlicher betonen möge. Und so hat selbst das ZDF einer jungen Frau erlaubt, am Abend des Bush-Besuchs zu fragen, ob es nicht andere dringendere Zwecke gebe, für die öffentliche Gelder in Deutschland ausgegeben werden sollten.

Haben wir Europäer also doch nicht das Nachdenken verlernt? Haben die Völker von Kant, Descartes und Hobbes noch nicht alle ererbten Einsichten verloren?

Fügen wir die Mosaiksteine zusammen

Meine Mutter zitierte gerne den Schriftsteller Edward Morgan Forster (1879–1970): „Only connect“ und „Live in fragments no longer“ – eine Aufforderung zu vernetztem Denken. Also fügen wir die Mosaiksteine zusammen:

Ebenso systematisch wie machtgierig haben die USA seit der Präsidentschaft von Theodore Roosevelt (1901–1909) ihre weltbeherrschende Stellung geschaffen. Hat Washington seine Alliierten in zwei Weltkriegen „gerettet“ oder hat es sein Eingreifen dazu benützt, sich das Terrain zum wirtschaftlichen Angriff zu sichern? Man hat ja nicht nur tausende deutsche Patente gestohlen und deutsche Forscher mit sanftem Druck in die USA verbracht. So wurde England gezwungen, seine Kolonien, einst ein Viertel des Globus, aufzugeben. Wie heute im Irak ging es Washington dabei nicht um Moral, sondern um handfeste ökonomische Interessen. Nachdem Churchill sich unnötigerweise in den Krieg gegen Deutschland gestürzt und mindestens vier Friedensversuchen Deutschlands eine Absage erteilt hatte, musste London das Empire versilbern. Roosevelt lieferte den Briten aufgrund des Leih- und Pachtgesetzes (Lend-Lease Act) vom März 1941 Kriegsmaterial im Übermaß. Der britische Finanzminister Lewis hat jüngst erklärt, dass die daraus herrührenden Zahlungen an die US-Regierung am 31. Dezember 2006 abgeschlossen sein werden.

Während die Rückzahlung nach dem Leih- und Pachtgesetz auf lange Dauer angelegt war, kam Amerika sofort in den Genuss der Vorteile aus der „Zerstörer für Stützpunkte“-Vereinbarung von 1940: Die USA tauschten fünfzig veraltete Zerstörer gegen britische Stützpunkte in der Karibik und in Neufundland. Heute unterhalten die USA weltweit rund 1000 Auslandsstützpunkte.

Mit dem britischen Weltreich war es vorbei. Großbritanniens Vasallenstatus wurde den Briten seither als „Special Relationship“ („Sonderbeziehung“) verkauft. Dem verarmten Vereinigten Königreich kommt dabei die Rolle zu, dem großen Bruder nachzueifern. Was aufeinanderfolgende englische Regierungen im Koreakrieg, in Afghanistan und in Irak mitmachten, um die anglo-amerikanische „Allianz“ zu konsolidieren, tat das Volk, indem es sich nach und nach amerikanische „Kultur“, also Sprach- und Essgewohnheiten, zueigen machte. Heute ist das verarmte England sozusagen ein Amerika zweiter Klasse.

Vorbehaltlose Unterstützung durch den US-Kraken genießt Israel – auch jetzt bei seiner brutalen Militäroffensive. Pogrome wie die in Russland und Rumänien, hauptsächlich aber die Ereignisse im deutschen Machtbereich während des Zweiten Weltkriegs, gaben Zionisten den erhofften Auftrieb für das Projekt einer „jüdischen Heimstatt“ in Palästina. Was Herzl und Weizmann so geschickt im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert den Briten, insbesondere Balfour und Lloyd George, eingeredet hatten, haben ihre Gefolgsleute später den amerikanischen Regierungen von Roosevelt und Truman beigebracht.

Wie lange noch Instrument Größenwahnsinniger?

Die Frage, wer hier wem nützt, ist zwar interessant, aber eher akademisch. Entscheidend ist, dass durch die Kriege der USA und Israels unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung das Leben von Millionen zerstört wird. Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist, ob wir bereit sind, uns weiter als Instrument einer kleinen Gruppe von Größenwahnsinnigen verwenden zu lassen. Oder ob wir uns doch noch aufraffen und uns dagegenstemmen.

Deutschland, das im Zweiten Weltkrieg am schwersten gelitten hat, kommt dabei besondere Bedeutung zu. Es hat Bombenterror und Siegerjustiz erlebt, es leidet unter der Ausbeutung durch Politiker, die sich vasallenhaft (wenn es um fremde Interessen geht) und tyrannisch (gegenüber dem eigenen Volk) zugleich benehmen. Wenn einmal die Deutschen wieder ihren Weg finden, würden andere europäische Völker sich ebenfalls wachrütteln. Franzosen und Niederländer haben schon mit ihrem Nein bei den ihnen zugebilligten Volksabstimmungen über die EU-Verfassung ein Signal gesetzt, dass sie nicht mehr bereit sind, alles mit sich machen zu lassen. Haben die Völker Europas erst einmal wieder zu sich selbst gefunden, wird es von Seiten Europas keine Unterstützung mächtiger Aggressoren mehr geben. Deutschland bleibt also Schlüsselland.

Gerard Menuhin