Menuhin und wie er die Welt sieht
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Die Twinkies-Verteidigung

Ich ging im Wald spazieren, Vögel zwitscherten – aber auf der Strasse lagen lauter zerquetschte Würmer. Warum, fragte ich mich, waren die nicht auf der einen oder der anderen Straßenseite, in der guten Erde geblieben? Dann musste ich, ganz höheres Lebenwesen, den Schluss ziehen, dass Würmer doch nur sich fortbewegende Verdauungsapparate ohne große Überlegungsmöglichkeiten seien.

Ist es vielleicht mit den Menschen manchmal nicht anders? Was passiert, wenn der mächtige Herrscher, durch seine Magengeschwüre herausgefordert, einen Entschluss trifft? Entscheiden Politiker nach einer allzu ungesunden und reichhaltigen Mahlzeit vielleicht Dinge, die sie einige Stunden später, unter anderen Einflüssen, aufheben würden?

Sicher, es wäre zu kurz gegriffen, würde man solch schlimme Entscheidungen wie die, die Türkei nach Europa einzuladen oder Einreise-Visa wie Konfetti zu verbreiten, nur auf die Ernährung der Entscheidungsträger zurückführen.

Aber immerhin ist in San Francisco der Stadtinspektor (Supervisor) Dan White, nachdem er 1978 den Bürgermeister und einen weiteren Beamten erschossen hatte, nur zu einer lächerlichen Strafe verurteilt worden, weil er vorher ein Übermaß von Twinkies (mit Creme gefüllte Biskuitröllchen) gefressen hatte. Also aufgepasst, Herr Fischer, Herr Schlauch, Herr Bütikofer oder Frau Roth: Sollte Ihnen jemals wegen Ihrer hoffnungslosen Politik der verdiente Prozess gemacht werden, könnte sich eine „Twinkies-Verteidigung“ als letzter Rettungsanker erweisen! Nach dem Muster: Wir haben zu viel, zu fett und zu süß gegessen, sind zu viel und zu lange gesessen und gelegen, daher unsere Sünden...

Antisemitismus bekämpfen – immer und überall!

Aus lauter Verzweiflung bin ich gestern zu unserem Dorfweisen gegangen, um ihn um Hilfe zu bitten. Er ist bekannt dafür, dass er alle möglichen Laster, auch den Antisemitismus, austreiben kann.

Als erstes hat er mir die Augen für einige unangenehme Wahrheiten geöffnet: Nicht nur Schiller, wie jüngst aufgedeckt, Shakespeare (ich solle nur an den Shylock im „Kaufmann von Venedig“ denken) und Hergé, der Erfinder von „Tim und Struppi“ bzw. "Tintin" und "Milou" – wie die beiden Helden im Original heißen –, waren Antisemiten. Millionen von Menschen wurden durch diese Bücher mit Antisemitismus infiziert!

Daher sollte jeder vernünftige Mensch seine Shakespeare- und/oder „Tim und Struppi“-Sammlung auf der Stelle vernichten, will er noch als „anständig“ gelten. Das Verbrennen von solchen Büchern ist ein Schritt zu einer besseren Welt, einer Welt ohne Schuld oder schlechte Gedanken (vielleicht gar einer Welt ohne Gedanken?). Und wie feierlich das klingt: „Ich übergebe dem Feuer: Tim und Struppi.“ Mein Einwand, dass das Verbrennen allein der 200 Millionen, in 60 Sprachen verbreiteten Hergé-Bücher einen Rückschlag für das Kyoto-Protokoll zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstosses bedeuten würde, wischte der kluge Mann weg. Die Bekämpfung des Antisemitismus habe Vorrang vor anderen Zielen, so wünschenswert diese auch sein mögen. Das leuchtete mir ein.

Zum Abschluss flüsterte mir der Weise die neueste Erkenntnis zu: Das Matterhorn offenbare an seiner Südwand unverkennbar ein angeblich „typisch jüdisches körperliches Merkmal“, wie es selbst im nationalsozialistischen Hetzblatt „Stürmer“ nicht schlimmer dargestellt gewesen sein könne. Es bestehe die Gefahr, dass der Anblick unter Umständen Gedanken an antisemitische Stereotype wachrufe. Daher bemüht sich der Schweizer Tourismus-Verband, die ärgerliche Felsstruktur so rasch wie möglich zu beseitigen.

Nur weiter so!

Gerard Menuhin