Menuhin und wie er die Welt sieht
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I. Es genügt nicht mehr, den Außenminister zu spielen

Im späten neunzehnten und im frühen zwanzigsten Jahrhundert war es in gebildeten Kreisen selbstverständlich, dem Staat zu dienen. Jetzt dagegen bedienen sich allerlei unerzogene, ungebildete Menschen beim Staat. Damals nahmen alle Bürger in Kauf, irgendwann ihr Land verteidigen zu müssen. Jetzt stehen Politiker darum Schlange zu kassieren, ohne jemals Rechenschaft abzulegen. Unsere Gesellschaft erlaubt jedem Versager, eine hohe Stelle zu erreichen, wenn er nur Frechheit und Prahlerei genug dafür hat. Sind Bildung, Selbstdisziplin, Verantwortung und Bescheidenheit unwichtig?

Was passiert, wenn ein Mann Außenminister wird, der mit Pflichtgefühl aufgewachsen ist? Für ihn beginnt dann die Verantwortung in ihrem ganzen Ernst. Was passiert, wenn ein Mann wie Joschka Fischer Außenminister wird? Er ist damit sozusagen am Ziel. Er kann sich modisch gewandet und mit Rolex am Arm im Fernsehen zu zeigen, sich in Limousinen herumchauffieren und sich hofieren lassen. Das wär’s. Mehr gibt es nicht zu erreichen. Die Zukunft des Landes und seiner Bürger? Das wird sich schon finden. Bestenfalls.

Für ein hohes Amt sind Bluff und Getöse zu wenig. Früher oder später fliegt auf, dass man einfach nur Opportunist ist, ob man Jeans und Turnschuhe oder Anzug mit Weste trägt. Dann kommt der Mangel an ererbter Tugend und erlernter Weisheit zum Vorschein. Es genügt nicht mehr die Rolle des Außenministers oder auch des Kanzlers zu spielen, man müsste es auch sein.

II. Flexiropa und die unerträgliche Leichtsinnigkeit der Politik

Einst zeichnete die britische Kolonialmacht in Afrika gerade Linien auf die ungeheure Landmasse des Kontinents. Sie verursachte dadurch bis in die heutigen Tage Massaker zwischen völlig fremden Stammen, die sonst weder Bedarf noch Grund hätten, sich im gleichen Staat zu finden.

Da wir in Europa (noch) nicht um Feuerholz und Wasser kämpfen müssen, wird es, wenn die Türkei durch einen ähnlichen Zauberstreich Europa eingegliedert wird, nicht gleich zu Massakern kommen. Aber machen wir uns nichts vor: Viele der Türken, die nach Deutschland streben, besitzen nicht die Verfeinerung zahlreicher ihrer Landsleute aus Istanbul oder Ankara. Viele schätzen die Wörter „bitte“ und „Entschuldigung“ nicht so sehr, wie es wünschenswert wäre. Jedenfalls nicht unter den Bedingungen einer multikulturellen Gesellschaft. So liebenwürdige Türken es in Mitteleuropa gibt – im Ergebnis werden wir uns, wenn die Türkei EU-Mitglied wird und ihre rasch wachsende Bevölkerung Freizügigkeit genießt, auf einen anderen, täglichen Umgang – auf der Strasse, in öffentlichen Verkehrsmitteln – vorbereiten müssen. Die Politiker die uns diese Änderungen schenken, sind vor solchen Unannehmlichkeiten geschützt. Aus ihrer Sicht mag es sich um eine Periode handeln, die einfach von zwei bis drei europäischen Generationen durchgemacht werden muss, um dann die Utopie der Multikultigesellschaft zu erreichen.

Wir ordinären Menschen sind schlicht kurzsichtig, wenn wir angesichts der Arbeitslosigkeit und der Kriminalität das größere Bild und die wichtigen Vorteile der EU-Erweiterung oder der Möglichkeit, Erdölröhre über Tausende von Kilometern verlegen zu können, vergessen. Es geht doch um Weltpolitik und um Milliarden. Und unsere gewählten Vertretern sollen sich um unsere kleinen Befindlichkeiten kümmern? Seien Sie doch vernünftig!

III. Wer seine Versprechungen nicht erfüllt, muss gehen

Es ist höchste Zeit, dass gewählte Politiker juristisch an ihren Wahlversprechen festgehalten werden.

Wer seine Versprechungen nicht erfüllt, muss gehen. Ein Bundeskanzler, der verspricht, die Arbeitslosigkeit innerhalb von vier Jahren zu halbieren, muss, wenn das nicht der Fall ist, abtreten.

Im Falle der Mitgliedschaft der Türkei in der EU wären Politiker jetzt verpflichtet, dem Bürger zu erklären, was am Ende als Vorteil für den Steuerzahler erreicht wird. Treten diese Vorteile nicht ein, müssten die dafür verantwortlichen Politiker ihre Positionen räumen und ihre Ruhegehälter einbüßen. Durch diese Maßnahmen bekämen wir möglicherweise einige ernst zu nehmende, vertrauenswürdige, vielleicht sogar weise Menschen wieder in die Politik.

Gerard Menuhin