Menuhin und wie er die Welt sieht
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Es war und es bleibt fünf vor zwölf

Ist Deutschland der Gefahr einer US-hörigen Regierung fürs erste entgangen? Noch ist es nicht sicher. Fest steht aber: Hätte eine schwarz-gelbe Koalition die Regierung gebildet, wären die achtsam aufgebauten, ebenso wertvollen wie logischen Beziehungen zu Frankreich und Russland akut gefährdet gewesen. Das Wahlkampfmotto „Arbeit, Familie, Vaterland“ des CDU-Abgeordneten Nitzsche wird Frau Merkel – zumal angesichts der Forderung des Herrn Präsidenten Spiegel, die Parole nicht mehr zu verwenden – niemals zur Leitlinie nehmen. Ist ja auch ein äußerst finsterer, abwegiger Spruch… Geht es nach ihr, muss Deutschland sein Büßergewand noch fester zurren, um nicht nur Sklave der üblichen Lobby, sondern auch Spielzeug amerikanischer Interessen zu bleiben.

Wie kommt es, dass so viele deutsche Politiker noch an den guten Willen der in Washington Regierenden glauben? Sind umerzogene deutsche Politiker etwa genauso überfordert wie das amerikanische Volk?

In dem Artikel „Marsmenschen und Nazi-Monster“ hat Astrid Horn in der National-Zeitung vom 9. September zu Recht auf die Horrormühlen der amerikanischen Unterhaltungsindustrie gedeutet, für die es sich immer lohnt, einen gemütlichen Schauder hervorzurufen und so dem ohnehin manipulierten Volk den Samstagabend zu beleben.

Eine Bevölkerung, die durch eine einzige Radiosendung über den Angriff von Marsmenschen in Panik versetzt werden kann, konnte auch leicht von den Massenvernichtungswaffen des Saddam Hussein überzeugt werden. Oder davon, dass die USA durch winzige wehrlose Staaten wie Panama oder Grenada bedroht seien und es notwendig sei, sie mit den eigenen, weit überlegenen Machtmitteln anzugreifen. Mit ernstzunehmenden Kontrahenten (wie den Nuklearmächten Nordkorea oder Russland) geht Amerika dagegen wie alle Maulhelden vorsichtig um.

Möglicherweise hat Astrid Horn aber übersehen, dass die medialen Horrorexzesse nicht nur als Ablenkungsmanöver für in die Jahre gekommene Kinder – das heisst für amerikanische Erwachsene – gedacht sind, sondern um vor der ganzen Welt den tatsächlichen Schrecken USA geheim zu halten. Diese Strategie ist doppelt erfolgreich. Sie bringt Unmengen von Geld und veranlasst diejenigen Teile der Weltbevölkerung, die kaum fähig sind, zwischen Nachrichten und Unterhaltung zu unterscheiden, dazu, angstvoll um sich zu schauen, aber dabei die wirklichen Bedrohungen zu ignorieren.

Als einfacher Amerikaner ist man der Ansicht, dass alle anderen Länder mehr oder weniger Amerika untergeordnet sind, aber auch, dass sie dieser „Wiege der Demokratie“ oft feindlich gegenüberstehen. Also sind Araber pauschal als „Zeltbewohner“, Franzosen als feige Kriegsverweigerer‚ Italiener als „Spaghettibieger“ abgestempelt. Die Deutschen treten als „Nazis“ oder als leicht eingeschüchterte Idioten im amerikanischen kollektiven Bewusstsein auf. Lateinamerikaner, von Mexiko bis Terra del Fuego, sind entweder als Putzkraft einsetzbar oder als Drogenhändler verdächtig.

Amerika engagiert sich geschäftlich und politisch weltweit. Dieser Welteroberungskreuzzug zeigt sich in verschiedenen Verkleidungen, ob auf der Leinwand, in der Werbung oder in Fleisch und Blut. Es gibt den „Kreuzzug für Demokratie“ (Irak), den „Krieg gegen Drogen“ (Kolumbien usw.) den „Krieg gegen den Terror“ (wo es sich gerade auszahlt), gegen „Schurkenstaaten“, sprich Amerika nicht unterwürfige Länder (Iran). Wobei Washington sich das Privileg zuerkannt hat, allein auf Grund irgendeines Verdacht ein- und anzugreifen. Klingt ein bisschen wie aus einem Western: „Schieß zuerst und stell später die Fragen!“

Ebenso gefährlich, aber undurchsichtiger ist die amerikanische Praxis, strategisch wichtige Länder durch Agenten dazu zu bringen, ungeheure Darlehen für riesige „Entwicklungsprojekte“ aufzunehmen. Wobei diese lukrativen Aufträge an amerikanische Firmen wie Bechtel oder Halliburton vergeben werden. Unter ihrer Schuldenlast geraten die Auftraggeberländer dann unter die Kontrolle der amerikanischen Regierung, der Weltbank und anderer US-beherrschter Hilfsagenturen. Obwohl Deutschland kein Entwicklungsland ist, kommen auch viele wichtige deutsche Firmen in amerikanischen Besitz. Noch kann Deutschland wählen, ob es unter der Herrschaft der USA stehen will – oder eben nicht, wenn es die Kraft hat, selbständig zu bleiben.

Gerard Menuhin