Menuhin und wie er die Welt sieht
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Geheimniskrämer unter sich
In einer Stadt am Rhein, Dezember 2005

Leute, jetzt wird’s ernst! Wir haben den Befehl bekommen, die mit allen Mitteln zu stoppen. Ich erwarte also Vorschläge von Ihnen und von unseren verehrten Gästen. Herr Oberbewältiger Tollkühn?

„Jawohl, Herr Direktor! Wir waren nicht untätig. Meine Männer können dafür sorgen, dass Hakenkreuze und Davidsterne geschmiert werden. Dazu die üblichen Parolen.“

Hm, nichts Neues unter der Sonne! Wie soll es dann weitergehen?

„Wir platzieren im Internet Nachrichten über diese Schmierereien der Rechtsextremen!“

Auf welchen Seiten?

„Ich dachte da zum Beispiel an
www.achse-des-Guten.de,
www.honestly.concerned.com,
www.totallyjewish.com und Dutzende dergleichen.“

Das sind doch olle Kamellen! Fällt Ihnen nichts Besseres ein, Tollkühn?

„Wenn die Polizei nicht so tüchtig wäre, könnten unsere V-Leute mal wieder aus dem Ruder laufen. Einige wären bestimmt bereit, Brandstiftungen an Asylantenheimen zu inszenieren!“

Und wenn das rauskommt? Was meinen Sie als Leiter unserer neuen „Hauptabteilung Deutsche Schuld“ dazu, mein lieber Schlimmbohm?

Schlimmbohm hatte gerade abwesend mit seinem Kugelschreiber gespielt und bringt mühsam hervor: „Wie wär’s mit einem neuen Versuch, die NPD zu verbieten?“

Nicht schon wieder! Ohne Beweise, dass die NPD verfassungswidrig ist, können wir nichts machen. Und die Beweise, die wir haben ... nun ja, Sie wissen ja, wer die fabriziert hat. Am Ende steht überall, dass wir die Gefahr für die Demokratie seien. Und wenn wir Pech haben, werden wir aufgelöst oder stark verkleinert. Das müssen wir unbedingt vermeiden – zumal jetzt, wo zwei neue Hauptabteilungen für meine beiden Stellvertreter geschaffen wurden. Ehe ich es vergesse: Herzlichen Glückwunsch zur Beförderung!

„Danke, Herr Direktor. Gestatten Sie trotzdem die Frage, ob wir nicht ganz auf die Schiene setzen sollten, die NPD sei von nationalsozialistischem Gedankengut durchdrungen.“

Es ist doch offensichtlich, dass das nicht stimmt.

„Aber wenn wir ihnen entsprechende Äußerungen unterschieben? Das ist doch nur eine Frage des Geldes. Wir finden einen, der Schulden hat und nicht mehr ein noch aus weiß. Ich wüsste da schon einen geeigneten Mann. Dem versprechen wir Unterstützung, wenn er aus der Partei austritt und bestätigt, was wir brauchen.“

So einen Blödsinn können wir in unsere Berichte schreiben. Aber denen in Karlsruhe brauchen wir damit nicht zu kommen. Die nehmen uns auseinander.

Das Mobiltelefon des Direktors klingelt.

Ja bitte ... Wieso unterbrechen? Sie unterbrechen nie, Herr Zentralratspräsident? Was kann ich für Sie tun ... Ah, das wird gerade besprochen ... Ja, wir haben eine entsprechende Anweisung bekommen, von ganz oben ... Aha, das geht auf eine Anregung von Ihnen zurück. Wirklich ganz ausgezeichnet! ... Selbstverständlich halte ich Sie auf dem Laufenden ... Danke, bis bald.

Der Direktor wendet sich wieder den Sitzungsteilnehmern zu:

Meine Damen und Herren, Sie sehen selbst, wie wichtig die Angelegenheit ist. Also weiter! Herr Schlimmbohm, wie viel kostet uns so einer?

„Das machen wir mit der Portokasse. Apropos: Das Budget für das Aussteigerprogramm wurde gerade erst wieder aufgestockt.“

Herr Hinterteillalla, wie sehen Sie das?

„Wenn er aus der Partei austritt, dann könnte man ihm eine CDU-Mitgliedschaft in ferner Zukunft in Aussicht stellen.“

Diesen Weg sollte man jedenfalls offen halten. Die Chefin müsste es aber genehmigen.

Claudia Sabber-Schlampe vom Dokumentationszentrum meldet sich zu Wort.

Bitte, Frau Brigadeführerin!

„Vergessen wir nicht, dass wir in einer Mediengesellschaft leben. Wenn es soweit ist, müssen Presse und Rundfunk die Geschichte ausführlich verbreiten. Über die Rechten darf nur in negativen Zusammenhängen berichtet werden, aber dann ausführlich!“

Meine Damen und Herren, ich sehe, es fehlt Ihnen nicht an Eifer. Aber Sie sollten sich noch etwas mehr einfallen lassen. Bedenken Sie, die Rechten werden stärker. Spätestens bis zu den Wahlen in Sachsen-Anhalt im März müssen unsere Aktionen Wirkung zeigen!

Gerard Menuhin