Menuhin und wie er die Welt sieht
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Ich erwarte, dass du wählst

Jetzt bist du volljährig. Lass uns am Sonntag zusammen zur Wahl gehen.

Wozu denn? Es bringt doch nichts.

Wir leben in einer Demokratie, da wird gewählt.

Am 18. habe ich was vor.

Wichtigeres kannst du nicht vorhaben. Klar, du erinnerst dich nicht an die früheren Verhältnisse. Es herrschte eine Diktatur. Man durfte andere Meinungen nicht äußern.

Jetzt doch auch nicht, hast du tausend Mal selbst gesagt. Andersdenkende werden hierzulande auch unterdrückt. Über die EU-Verfassung durften wir Deutsche nicht abstimmen. Wir wurden nicht gefragt, ob wir die D-Mark gegen den Teuro umtauschen wollten. Und wann war zuletzt eine nationale Partei zu einer Fernsehdiskussion eingeladen?

Genau deswegen müssen wir die Politiker zurückdrängen, die das deutsche Volk missachten und seine Werte verwerfen. Wir geben nicht auf, nur weil manche hoffnungslos Umerzogene den feigen Weg gehen.

Und was sage ich denen, die mich nach meiner Wahlentscheidung fragen?

Du gehst in die Wahlkabine und machst dein Kreuz, wo es dir gefällt. Nicht einmal mir musst du offenbaren, wen du gewählt hast.

Du erwartest also nicht, dass ich wie du oder Mama wähle?

Ich erwarte nur, dass du deine Bürgerpflicht erfüllst. Meinetwegen kannst du die Grauen Panther wählen, obwohl ihr Programm dir mit 18 vielleicht ein bisschen verfrüht vorkommen könnte. Ist mir egal.

Ist dir nicht.

Stimmt, ist mir nicht. Wenn du die wählst, die eine Annäherung an jene wollen, die uns den Terrorismus bis vor die Tür gebracht haben, wäre ich enttäuscht. Auch wenn du dich für die entscheidest, die mit ihren Benzinpreisen uns allmählich das Fahren verunmöglichen, ohne eine preiswerte Bahn als Alternative anzubieten. Oder die, die uns immer noch eine unendliche Unterdrückung und Schuldgefühl aufbürden wollen. Oder die, die uns Märchen erzählen über eine rosige Zukunft durch einen Tarnkommunismus, aber nur nach persönlicher Macht streben. Es wäre eine Verschwendung. Aber du musst deinem Gewissen folgen.

Am Ende machen die doch weiter wie bisher.

Vielleicht eben nicht, wenn wir zahlreich genug dagegen protestieren.

Gerard Menuhin