Menuhin und wie er die Welt sieht
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Ignoranz, Gehorsam und Kulissenschieberei in Führung

In Deutschland werden die Schulen nur notdürftig unterhalten. Es werden viel zu wenige Kinder geboren. Daimler-Chrysler entlässt 8.500 Beschäftigte und diskutiert schon den nächsten Stellenabbau. Die Menschen verlieren zunehmend das Selbstvertrauen. Und im Bundestag verschwendet man Zeit und Geld mit Debatten um den Posten von Bundeskanzler a. D. Schröder als Aufsichtsratsvorsitzender der Gaspipeline. Kann es sein, dass manche Abgeordnete sich freuen, sich wegen etwas so Unwichtigem in Pose setzen zu können statt die lebenswichtigen Probleme zu lösen?

Nie war es so leicht für Menschen ohne Einsicht, in Chefetagen aufzurücken. Sie finden diese Ansicht snobistisch? Bitte nicht! Ich halte es nur für dringend notwendig, dass Führungspositionen von Persönlichkeiten ausgefüllt werden, die ihre Verantwortung kennen und den Gang der Geschichte überblicken.

Eine Frau, deren hervorstechende Eigenschaft Machtbewusstsein ist, ist zur führenden Politikerin der Bundesrepublik geworden. Offensichtlich hat sie, eine promovierte Physikerin, nicht das Bedürfnis, über das Land, das sie führt, und über dessen Position in der Welt und in der Weltgeschichte und darüber, weshalb es sich in dieser Lage befindet, etwas tiefer nachzudenken.

Dass wir Europäer nicht unbedingt in allem den USA folgen müssen, zeigte die deutsche Ablehnung einer Teilnahme am Irakkrieg – bei dem die jetzige Bundeskanzlerin eine willige Gehilfin gewesen wäre, mit allen Folgen für Deutschland, wie Großbritannien und Spanien sie zu spüren bekamen. Doch „Angie“ sieht die Sache anders. Als sie als Oppositionsführerin nach Amerika kam, wurde sie von manchen Regierenden und Prominenten gefeiert und beherbergt, beauftragt und informiert – „gebrieft“. Und war schwer beeindruckt. US- Wahlkampfgepflogenheiten – vom Plakateschwenken bis zum Loslassen farbiger Luftballons – hat sie gleich mitgebracht und damit sogar den Spaß-Guido in den Schatten gestellt. Dass die USA längst zum größten Schuldner, zur größten Gefahr für die Welt und zur Heimat des Analphabetismus unter den entwickelten Länder (ein Viertel der Erwachsenen kann nicht genug lesen, um einem Kind eine einfache Geschichte vorzulesen) geworden ist – egal. Angie wurde zu einer Amerikafanatikerin ohnegleichen. Und jetzt erwarten die in den USA führenden Kreise manches von Deutschland. Es soll eine neue Außenpolitik geben, die Beziehung zu Russland sei zu lockern und die zu Polen weiter zu vertiefen. Angie schlägt die Hacken zusammen: Jawoll!

Ihren Lebenslauf darf man durchaus bewundern. Und auch den der Stewardess, die sich zur wichtigsten Talkshow-Hostess entwickelt hat. Und nicht weniger die Biografie des Kindermädchens, das mit dem 30 Jahre älteren Zeitungsmagnaten dessen fünfte Ehe schloss, sein Imperium übernahm und jetzt versucht, die öffentliche Meinung zu bezwingen. Ich halte es nicht für günstig, wenn durch einen Glücksfall prominent oder mächtig gewordene Menschen starken Einfluss auf jene ausüben, die der Allgemeinheit dienen sollen. Aber der Einfluss dieses „Küchenkabinetts“, dieses von der FAZ ernannten „Braintrust“ könnte verhängnisvoll werden. Der Begriff „Braintrust“ – er vereinigt in sich die Wörter Hirn und Vertrauen – bezeichnet im Englischen eine erlesene Gruppe von gelehrten Menschen. Hier trifft er wohl nicht zu.

Was weiß Merkels „Braintrust“ – dem Alter nach der Generation der Umerzogenen zuzurechnen – über die Geschehnisse in Deutschland seit dem Krieg und dessen Hintergründe? Warum nimmt für Merkel und ihre Freundinnen das Bekenntnis zu Israel einen so hohen Rang ein? Sind sie etwa Jüdinnen? Oder waren ihre Eltern oder Großeltern mitverantwortlich dafür, dass Juden verfolgt wurden? Oder hat man sich um der Bequemlichkeit und der Karriere willen angepasst?

Reicht es nicht, wohlhabend und berühmt zu sein und von Millionen Klatschbesessenen beneidet zu werden? Wäre es nicht passender, gemeinsam eine Werbeagentur, eine Friseursalon-Kette oder eine neue Modemarke (Entschuldigung, ein „Label“) zu gründen?

Niemand würde es mehr begrüßen als ich, wenn eine weise und unabhängige Frau deutsche Bundeskanzlerin geworden wäre und sie sich von ebensolchen Frauen beraten ließe. Leider ist das nicht der Fall. Die Folgen – vor allem die dilettantische Kursänderung der deutschen Außenpolitik – könnten für Deutschland sehr gefährlich werden.

Gerard Menuhin