Menuhin und wie er die Welt sieht
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Im Westen nichts Neues

I. Der Sinn des Lebens

Wir können uns also alle entspannen. Jetzt ist es offiziell. Das Leben hat keinen Sinn. Aus seinem Elfenbeinturm meldet uns dies der französische Expertenphilosoph und Intellektuellen-Popstar Claude Lévi-Strauss, Mitbegründer des „Strukturalismus zum Tod.“

Was für eine Erleichterung! Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber schon eine Ewigkeit dachte ich, ich müsste mein eigenes Dasein rechtfertigen – im Sinn eines Sinnes. Jawohl, richtig erkannt, der Sinn ist sowas wie der Klebstoff des Lebens. Ziele haben wir alle, manche vorübergehende (im Supermarkt einkaufen), manche zukünftige (morgen Abfall hinaustragen), manche im weiten Ungewissen befindliche (Karriere machen) – aber Sinn, das wäre was Erstrebenswertes! Aber den gibt es jetzt nicht mehr.

Was Lévi-Strauss eigentlich meinen dürfte: Er findet nach knapp 100 Jahren, dass sein Leben keinen Sinn hat. Aber er hat die Arroganz, seine „Entdeckung“ auf uns alle zu übertragen. Bei allem Respekt vor dem hohen Rang eines Philosophen könnten die meisten, Lévi inbegriffen, genauso gut Briefträger oder Installateur sein (wenn auch vielleicht nicht so gut wie die meisten, die diese Berufe ausüben). Oder wie Lévis Namensvetter in Amerika Jeans produzieren. Trotz all des Nützlichen, das sie uns ordinären Menschen beibringen. Aber in Frankreich gilt der Philosoph als Guru, fast als Heiliger. Wo die Deutschen sich an die fünf Wirtschaftsweisen wenden, um ihre Zukunft prophezeit zu bekommen, verlassen sich die Franzosen auf ihre Philosophen. Besonders gewichtig sind sie, wenn sie jüdisch sind, versteht sich, ça va sans dire.

Die, die sich noch unsicher sind, ob ihr Leben einen Sinn hat oder ob sie sich ganz schnell einen beschaffen sollten, können im Internet über „Strukturalismus“ nachlesen. Wobei nicht gesichert ist, dass sie dadurch unbedingt schlauer werden. Da erfährt man nämlich: „Eine anthropologische Bewegung, besonders mit Claude Lévi-Strauss verbunden, die danach strebt, gesellschaftliche Beziehungen in der Sprache von hoch abstrakten Strukturen zu analysieren, oft mit logischen Symbolen ausgedrückt.“ So versucht Lévi möglichst verwickelt das Offensichtliche zu erklären.

Um wieder den Einkauf als Beispiel zu nehmen: Die meisten von uns sehen das bevorzugte Waschpulver im Regal und holen sich eine Packung davon. Der Philosoph vom Schlage Lévi-Strauss hingegen hält inne und stellt sich die existentielle Frage „Warum kaufe ich Waschpulver?“ Das gibt ihm Überlegungsstoff, bis er ein Buch über die abstrakten Strukturen des Waschpulvers erarbeitet hat. Da steht dann zu lesen „A↔P“ und „¬D“, wo Normalsterbliche sich sagen würden: Ariel ist genauso recht wie Persil, aber Dash mag ich nicht. Solche Komplikationen ermöglichen dem Philosophen ein ganz gutes Leben. Zumindest in Frankreich.

II. Die Rechte Dritter beeinträchtigende CSU-Treffen

Die CSU-Mehrheit im bayerischen Landtag hat vor kurzem das neue Landesversammlungsgesetz verabschiedet. In Bayern darf in Zukunft nur demonstriert werden, wenn es niemanden stört. Demonstrationen können jederzeit verboten werden, wenn sie „die Rechte Dritter unzumutbar beeinträchtigen“. Nach dem verabschiedeten Gesetz müssen Veranstalter Versammlungen mindestens 72 Stunden vorher anmelden. Genug Zeit also, dass einer sich meldet, der sich vom Lärm einer bevorstehenden Demonstration angeblich gestört fühlt …

Demonstrationen sind Zurschaustellungen von Meinungen über Politik und andere Themen. Sie sind Grundpfeiler unserer Demokratie. Was passiert zum Beispiel bei einem spontanen Gottesdienst unter freiem Himmel – also einer Demonstration im Namen Gottes?

„Allmächtiger Gott, der Du uns Gnade gegeben, einmüthig unser gemeinschaftliches Gebet vor Dich zu bringen, und hast verheißen, daß, wo zwei oder drei versammelt sind in Deinem Namen, Du ihnen ihre Bitte gewähren willst ...“

Als der heilige Chrysostom, Metropolit von Konstantinopel, diese Anrufung schrieb, dachte er sicher eher an eine Ansammlung von normalen Menschen als an einen Haufen von übermütigen Gesetzgebern. Aber wer weiß, ob eine solche Veranstaltung nicht manchen stört? Gesetz ist Gesetz. Zumal der heilige Chrysostom schon unter Antisemitismusverdacht gestellt wurde, was derartige Zusammenrottungen noch verbotswürdiger macht.

Was halten die Bayern von ihren CSU-Parlamentariern, die sich regelmäßig ohne jegliche Voranmeldung treffen, nur um gezielt die Rechte Dritter zu beeinträchtigen? Zum Beispiel um weitere Überwachungsmöglichkeiten einzuführen. Bei einer Bürgerdemonstration ist der Lärm bald vorbei. Was von den versammelten Politikern ausgeht, stört den Bürger dagegen auf Dauer, weil die Folgen sein ganzes Leben betreffen.

Bitte erinnern Sie sich am 28. September an diesen weiteren Versuch der CSU, demokratische Rechte auszuhöhlen.

III. Das leisten Politiker wirklich

Einige Beispiele, wie Politiker das Volk begünstigen:

– Der „Aufbau Afghanistans“ – mit Drogendealern. Unter den Augen der NATO verdienen Warlords und auch Verwandte des Präsidenten Karzai am Drogenhandel. Aber Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat mehr Einsatz für den „Aufbau“ Afghanistans angemahnt. „Wir hängen zurück beim Aufbau der Sicherheitskräfte in Afghanistan.“ Kurz davor hatte er mit US-Präsidentenkandidat Obama gesprochen, der die Entsendung von zusätzlichen deutschen Soldaten verlangt. Dabei sind dort schon fast 4000 Bundeswehrangehörige im Einsatz.

– Ohnmacht vor der Piratenküste. Kriegsschiffe der Bundeswehr sollen im Indischen Ozean Terroristen aufspüren – können jedoch aus rechtlichen Gründen nicht wirksam eingreifen, wenn deutsche Touristen von Piraten gefangengenommen werden. Also sparen wir uns doch diesen sündteuren Luxus!

– Dicke Pullover statt Heizung. Angeblich riet Marie Antoinette dem französischen Volk, wenn es kein Brot hätte, „Brioche“ zu essen. Der mit den meisten Nebentätigkeiten (46, Stand: Juni 2008) ausgestattete Berliner Senator Sarrazin meldet sich jetzt im gleichen Stil zu Wort. Neulich erklärte er, wie sich Arbeitslose schon für 3,76 Euro „völlig gesund, wertstoffreich und vollständig ernähren“. Jetzt rät er, angesichts der hohen Energiekosten sollten sich die Menschen überlegen, ob sie mit einem dicken Pullover nicht auch bei 15 oder 16 Grad Zimmertemperatur vernünftig leben können. Dabei wird laut manchen Wohlfahrtsverbänden in vielen Haushalten schon nicht mehr gekocht, um Strom zu sparen.

Kurz gefasst:
Deutsche Bürger sollen vermehrt im Dienst Amerikas sterben. Die Bundesmarine kreuzt für fremde Interessen am Horn von Afrika. Die 320.000 Hartz-IV Haushalte Berlins müssten sich einfach zusammennehmen. Zumindest haben sie die Wahl zwischen Verhungern und Erfrieren.

Gerard Menuhin