Menuhin und wie er die Welt sieht
info@gerard-menuhin.de

In diesem Land spukt es

Unter uns Teufeln, Kollege Ketchup, wer hätte gedacht, als wir vor 61 Jahren mit Hilfe der alliierten Streitkräfte diesen Zauber über Deutschland legten, dass es so weit gehen würde?

Ja, Kollege Omelett, der Zauber wirkt umso stärker, je länger es dauert.

Stimmt, je ferner die damaligen Ereignisse, desto mehr greifen Mythenbildung und Umerziehung.

Diese Napoleonfeier in Berlin! Köstlich! Wenn ein Land seine Vergangenheit feiern will, geht es normalerweise um die Höhepunkte, die Siege, nicht die Niederlagen. Vor einem Jahr haben die Engländer den 200. Jahrestag der Schlacht von Trafalgar gefeiert, mit viel Aufwand und in Anwesenheit der Queen. Auch die deutschen Machthaber wollten eine fröhliche Feier als Ablenkung von der mehrheitlich als düster empfundenen Gegenwart Deutschlands. Es musste gewichtig sein, mit Gepränge und historischer Authentizität. Bewegung und Musik, aber ja kein deutscher militärischer Sieg!

Genau so. Sie dachten an eine Art Love-Parade, nur in historischen Gewändern. Schon Mitte Oktober haben sie die Schlacht von Jena und Auerstedt nachgestellt, in der vor 200 Jahren Preußen und Sachsen von den Franzosen geschlagen wurden. Haben die Deutschen denn absolut keinen Nationalstolz?

Wenn es um Fußball geht schon. Und die armen Berliner sehnen jedes Ereignis herbei, mit dem sie sich von der Alltagsmisere ablenken können.

Tausende Schaulustige empfingen freundlich den Feldherrn, der einst Schadows Quadriga geraubt und nach Paris entführt hatte.

Stell’ dir mal vor, die Franzosen würden die Schlacht von Waterloo feiern, oder besser, den Einmarsch deutscher Truppen in Paris. Jedermann würde sagen: Die sind verrückt geworden. In Deutschland aber ist es längst an der Tagesordnung, sich selbst zu erniedrigen.

Aber um das Ganze zeitgemäß zu machen, durfte das amerikanische Element nicht fehlen. Das Publikum war begeistert von dem amerikanischen Napoleon-Laiendarsteller.

Das passt doch: Wie zu Napoleons Zeiten tun die deutschen Streitkräfte nur, was mit ausländischen Mächtigen – den USA, den UN oder der EU – vereinbart wird. Der Libanon-Einsatz ist das beste Beispiel.

Und dann erlaubt sich unsere Luftwaffe, die deutsche Bundeswehr zu attackieren, indem sie auf ein Schiff schießt und einen Hubschrauber bedrängt.

Juden hatten eben nie die Gelegenheit, das deutsche Militär einzuschüchtern. Da konnten sie einfach nicht widerstehen.

Und der deutsche Verteidigungsminister sagte nur, es gab ein „Missverständnis“!

Und wenn es Tote gegeben hätte?

Dann wäre das eben wiederum ein Missverständnis gewesen.

Aber die Ironie! Die UNO-Generalversammlung hat Hunderte Male vergeblich versucht, uns mit Resolutionen zum Rückzug aus den besetzten palästinensischen Gebieten einschließlich Ost-Jerusalems zu bewegen. Und dieselbe UNO hat ausgerechnet Deutschland beauftragt, unsere Sicherheit zu gewährleisten, ein Land, das kaum noch fähig ist, eine Armee ins Feld zu führen, und das sich kaum eine Armee leisten kann.

Deutschland kann seine Infrastruktur nicht mehr unterhalten, muss aber Milliarden für Auslandseinsätze bezahlen. Und Berlin erhebt dagegen nicht einmal Widerspruch, im Gegenteil..

Kollege Omelett, ich wette ich kann mehr erniedrigende Erfahrungen Deutschlands aufzählen als du.

Abgemacht!

Wir haben ihre Geschichte entführt und gegen eine uns passende Aufführung ersetzt.

Die Deutschen mussten mit ansehen, wie massenhaft unberechtigte Asylbewerber und allerlei andere Fremde, die zu dem Land und seiner Kultur keinerlei Bezug haben, ihre Großstädte überschwemmten.

Der polnische Ministerpräsident verlangt von den Deutschen, sie sollten kein Denkmal für die deutschen Vertriebenen, nicht einmal eines in der Bundesrepublik, bauen dürfen.

Polen geht mit der deutsch-russischen Pipeline ins Gericht, weil es den Deutschen nicht den Hahn abdrehen, kein Erdöl abzweigen und kein Geld verlangen kann, wenn die Pipeline nicht über polnisches Territorium läuft.

Und das nachdem Frau Merkel 100 Millionen Euro, die für die neuen Bundesländer bestimmt waren, Polen als Geschenk überreicht hat.

Nicht schlecht. Aber das ist nur eine lokale Angelegenheit. Es wurde Deutschland ein Sitz im UNO-Sicherheitsrat verweigert, trotz seiner Lage in der Mitte Europas, seiner Stellung als Exportweltmeister und seines tadellosen Benehmens. Das ist eine Ohrfeige auf der Weltbühne.

Jetzt aber im Ernst, Kollege Omelett, haben wir es nicht ein bisschen weit getrieben? Was wenn keine deutsche Firma bestünde, um Wertarbeit zu leisten, die uns zugute kommt? Was wenn das Land so degradiert wäre, dass gar keiner mehr arbeiten würde? Dass keiner unserer Laufburschen sich in eine Führungsposition einsetzen ließe. Im deutschen Fernsehen diskutieren sie jetzt schon über die Frage „Lohnt sich Leistung noch?“

Dann kann man doch immer noch zum guten alten Morgenthauplan zurückkehren und Deutschland in Ackerland verwandeln. Und weil deutsche Landwirte zu teuer sind, könnte man den Grund gleich polnischen Bauern verpachten.

Stimmt. Dieser beispiellose Zauber wirkt wie Hypnose. Und das nicht unbedingt nur wegen uns. Das deutsche Volk scheint von seinem Charakter her dazu verdammt zu sein, auf seinen eigenen Untergang zuzustreben.

Gerard Menuhin