Menuhin und wie er die Welt sieht
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In einer Gefängniszelle, in der Nähe von Bagdad

Am 13. September 2002 – ein halbes Jahr vor Beginn des Angriffs auf den Irak – schrieb ich einen Brief an die „International Herald Tribune“: „Welche Waffen auch immer Saddam Hussein besitzt und was auch immer seine Absichten sind – ihn zu stürzen, kann angesichts des unschwer voraussehbaren Ergebnisses keine Lösung sein.“ Ich stellte die Frage: „Wie viele Zivilisten müssen sterben, bis die US-Regierung erkennt, dass sie falsch liegt?“

Guten Morgen, Herr Hussein

Jetzt soll sich – so oder so ähnlich – in einer Zelle in der Nähe von Bagdad folgendes Gespräch zugetragen haben:

Guten Morgen, Herr Hussein, Präsident Bush lässt Sie bestens grüßen. Ich soll Ihnen eine Nachricht überbringen.

Was denn? Will er mich erschießen lassen, wie ich es mehrmals verlangt habe, statt mich zu hängen?

Besser noch! Der Präsident der Vereinigten Staaten erwägt zur Zeit alle möglichen Optionen. Er möchte wissen, ob Sie wieder an die Macht wollen, ob Sie das Land übernehmen würden.

Ist er jetzt total verrückt geworden? Nun ja, mir schienen seine Augen schon immer ein bisschen zu nah beieinander zu stehen...

Das hat damit nichts zu tun.

Womit dann?

Der Präsident hat zur Kenntnis nehmen müssen, dass der UNO-Generalsekretär glaubt, unter Ihnen sei es den Menschen im Irak besser gegangen als heute. Und dass sein künftiger Verteidigungsminister den Krieg im Irak praktisch für verloren erklärt.

Und was ist mit dem angeblichen Ziel, uns die lächerliche „Demokratie“ amerikanischen Zuschnitts zu bringen?

Der Versuch ist gescheitert Das haben wir gelernt.

Unsinn! Wenn es um Geschichte, Geographie und Kultur geht, lernt Ihr Amerikaner nie etwas. Schon gar nicht, dass andere Völker andere Gewohnheiten haben und schätzen.

Wie Tito

Wie dem auch sei: Der Präsident sagte, wenn Sie wieder ein freier Mann sein und ihre Paläste wieder haben wollten, sei er bereit ihre Wünsche zu erfüllen.

Nachdem er mein Land in Schutt und Asche gelegt hat.

Ja, das gibt er allerdings zu. Es tut ihm leid.

Davon habe ich nichts. Wie soll ich das Land regieren, wenn die Schiiten und die Sunniten sich gegenseitig massakrieren und die Kurden nur darauf warten, ihr eigenes Territorium zu übernehmen?

Das weiß ich nicht und unser Präsident weiß es schon gar nicht. Er weiß nur, dass Sie Jahrzehnte lang die verfeindeten Parteien ruhig gehalten haben – wie Tito in Jugoslawien.

Bis sein Vater sich eingemischt hat. Übrigens: Ich habe Tito 1976 kennen gelernt, aber woher kennt Herr Bush ihn? Hat er vor diesem Vergleich ein längeres Gespräch mit Frau Rice geführt?

Dazu kann ich mich nicht äußern. Immerhin...

Sein Vater hatte wenigstens nicht die schwachsinnige Idee, mich zu stürzen. Das blieb dem kleinen George vorbehalten – ihm und seinen Beratern von der Öl- und von der Israel-Lobby.

Auch dazu kann ich mich aus naheliegenden Gründen nicht äußern.

Was wird aus diesen Halunken?

Rumsfeld ist schon über Bord gegangen. Und auch die anderen sind der Öffentlichkeit nicht mehr vermittelbar. Also was sagen Sie?

Was geschieht mit El-Maliki? Ihr Chef hat dieser Marionette gerade seine Unterstützung zugesagt.

Das ist eine Rückversicherung, falls Sie unser Angebot ausschlagen. Der Präsident gibt vor, amerikanische Truppen müssten im Irak bleiben, so lange El-Maliki sie benötigt, um die Ordnung herzustellen. Und El-Maliki braucht diesen Schutz, weil er sonst nur noch Stunden zu leben hätte.

Ich bin der Präsident des Irak!

Was, wenn ich mich weigere? Wenn ich lieber hingerichtet werden möchte?

Ich bin beauftragt, Ihnen allerlei Vorteile anzubieten.

Zum Beispiel?

Sie können einen Palast in Palm Beach haben, dazu eine Jacht und so viele Puppen, wie Sie wollen.

Ich pfeife darauf! Ich bin der Präsident des Irak!

Wie wäre es mit einer Milliarde Dollar?

Der Einsatz im Irak kostet die Vereinigten Staaten jeden Monat rund acht Milliarden Dollar!

In einer sicheren Bank selbstverständlich!

Ich habe gehört, es würde mindestens 70 Milliarden Dollar kosten, mein Land wieder aufzubauen.

Die geben wir Ihnen, wenn Sie bereit sind, amerikanische Firmen dafür einzusetzen. Bechtel, Halliburton, Sie wissen schon. Unser Krieg gegen den Irak hat bis jetzt fast 400 Milliarden Dollar gekostet. Da sind 70 Milliarden nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Also, die Macht, mein Land und die Mittel, es wieder aufzubauen – richtig?

Der Präsident sagte: „Was er auch möchte.“

Gerard Menuhin