Menuhin und wie er die Welt sieht
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Keine Rückkehr aus Heiligendamm?

Frau Bundeskanzlerin Merkel bedient sich aus der Staatskasse, um für 12,5 Millionen Euro einen Riesenzaun von zwölf Kilometern Länge und zweieinhalb Metern Höhe zu errichten, hinter dem sie die große Gastgeberin spielen und ihre Politkollegen feiern kann. Entschuldigung: die wichtigen Fragen der Welt besprechen will, meinte ich. Und mit dem sie das Volk von dem Gipfelgeschwätz ausschließen kann. Der einfache Bürger soll sich da nicht einmischen. Die Medien werden berichten, was sie berichten dürfen.

Meisterpläne wie der Bundeswehreinsatz in Afghanistan

Außer den unschätzbaren Persönlichkeiten der Politiker selbst, was gibt es denn zu schützen, zu verbergen? Ja, wenn man nicht diesen Zirkus aufzieht, dann ist man eben wie jedermann, und das ist man nachdrücklich nicht. Nein, man ist – Weltpolitiker! Deshalb weltwichtig! Trotzdem ist man aus der Sicht vieler nur: Marionette. Gehasste, verachtete Marionette. Also muss man sich vor den Bürgern verstecken. Vor denen, die gut genug sind, ihr Leben in Afghanistan zu lassen, aber es nicht wert sind, ihre Volksvertreter bei der verschwörerischen Beratung derart erfolgreicher Meisterpläne, wie der Bundeswehreinsatz in Afghanistan einer war, zu stören.

Also mit Otto Normalbürgers Geld wird Otto Normalbürgers Zukunft geregelt, ohne dass der gute Otto sich diesen für ihn wesentlichen Entscheidungen auch nur auf Sichtweite nähern darf.

Eigentlich geht es in Heiligendamm gar nicht um Deutschland. Es geht höchstens um Sachen, die Deutschland tangential – wenn auch auf übelste Weise – treffen werden. Wahrscheinlich um solch charmante Absichten wie den Krieg gegen den Iran, der mithilfe der in iranische Gewässer „verirrten“ britischen Soldaten entzündet werden soll (also das schlimmste Machbare) oder darum, die Entwicklung Afrikas voranzutreiben unter dem Leitmotiv „Wachstum und Verantwortung“ (also das hoffnungslos Unmachbare).

Was würde der Otto denn tun, wenn er die Gelegenheit hätte, einmal dabei zu sein, wenn seine Regierung mit anderen Mächtigen Pläne schmiedet? Er würde mucksmäuschenstill zuhören, denn er ist kein Terrorist. Nicht einmal einer der erwarteten, aus aller Welt angereisten 100.000 demonstrierenden Globalisierungsgegner ist er. Er weiß, dass er völlig bedeutungslos ist, aber als Deutscher in Deutschland möchte er gern über seine persönliche Zukunft etwas erfahren. Nein, darf er nicht, er wird zu seinem eigenen Besten ausgeschlossen.

Da der deutsche Bürger von seinen eigenen Vertretern durch „ein komplexes technisches Sperrwerk“ (Lorenz Caffier, CDU) ausgeschlossen wird, muss er aber selber und für sich eine wichtige Entscheidung treffen. Ist er bereit, seine Landsfrauen und -männer, die ihn aus ihrem von seinem Geld bezahlten öffentlichen Leben mit einem Zaun ausgeschlossen haben, wieder in sein Leben zu lassen?

Plötzlich blockiert Otto Normalbürger das Tor im Zaun

Es ist durchaus möglich, dass er nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss kommt, dass alle diese wichtigen Volksvertreter, die es doch nur dem Namen nach sind, sein Vertrauen nicht mehr verdienen und dort bleiben sollen, wo sie es sich so gemütlich gemacht haben: hinter dem Zaun. Dort gibt es sicherlich genug zu essen und zu trinken, es gibt Betten, Bedienung und Unterhaltung. Heiligendamm ist ja nicht Guantanamo. Die Herrschaften können einfach mit ihren wichtigen Themen weitermachen. Otto Normalbürger stellt sich also nett, aber entschlossen vor das Tor im Zaun. Er trägt ein Plakat, auf dem steht „Bitte bleiben! Nicht zurückkommen!“ Bald gesellen sich andere zu ihm. Der Funke springt über und nach einer Stunde blockieren alle 100.000 Demonstranten zusammen mit tausenden Einwohnern Mecklenburg-Vorpommerns den Ausgang. Auf dem Meer sind es fast ebenso viele, in kleinen Booten kommen sie angerudert. Das Ganze ist eine einzige Fiesta. Zelte, Bratwürste, Bier, Musik…

Was tun die Selbstwichtigen? Selbstverständlich können sie das Gelände von der Polizei, ja von der Bundeswehr räumen lassen, mit Wasserkanonen, Tränengas, Gummischrot, Schäferhunden. Inzwischen kennen wir alle die sanften Methoden der Überredung, mit denen die Staatsgewalt nicht vom, sondern gegen das Volk ausgeübt wird. Aber was wäre das für eine Werbung für Deutschland, für die EU, für alle anwesenden Politiker und Volksvertreter?

Wahrscheinlich würden diese imponierenden Menschen sich also per Hubschrauber entfernen lassen, ungefähr so wie die Amerikaner nach dem Debakel in Vietnam. Das wäre aber schwieriger, wenn über Heiligendamm eine Menge angebundene Luftballons schweben würden. Sagen wir: knallrote Luftballons, weil wir ja eine freudige Atmosphäre bewahren wollen.

Die fröhliche Menge wird natürlich von den Anwohnern mit Lebensmitteln versorgt. Angestellte von kleinen und mittleren Unternehmen werden von ihren Arbeitgebern unterstützt, weil es auch um sie geht. Wie lange? So lange es braucht, bis die Wichtigen wieder zu sich kommen und sich erinnern, wer das Volk ist. Haben sie doch den Steuerzahler – also ihren Arbeitgeber – aus ihren Herzen ausgeschlossen oder auf den zweiten Rang hinter Israel, Amerika, Brüssel gestellt. So sollen sie jetzt erfahren, wie es sich anfühlt ausgeschlossen zu sein.

Eine einmalige Chance, die Welt zu befreien?

Alle oder die Mehrzahl der größten und gefährlichsten Mistmacher auf einmal an einem Ort abgesondert und eingeschlossen – eine einmalige Chance, die Welt auf einen Schlag von ihnen zu befreien? Ist es tatsächlich so?

Nein, ist es nicht. Erstens sind diese selbstwichtigen Menschen selbst nur Marionetten, gesteuert von den wahrhaftigen, sehr wenigen und fast unsichtbaren Drahtziehern in Medien, Banken und Wirtschaft. Zweitens sind nicht an erster Stelle die Marionetten das Problem, sondern wir, die wir die ununterbrochene Missachtung unserer Interessen als Bürger, die für uns schlimme bis tödliche Folgen hat, tolerieren. Wer ist „das Volk“? Wer sind wir? Sind wir eine Masse gleichgeschalteter Menschen, nach Belieben lenkbar, oder sind wir Individuen, die ihr Schicksal selbst bestimmen können?

Wer diese Frage mit der zweiten Variante beantwortet, den bitte ich, die Konsequenz zu ziehen und entsprechend zu handeln. Das heißt: Bei der nächsten Gelegenheit Marionetten abwählen und für volksnahe Parteien, die Volksentscheide und Volksbegehren einführen möchten, stimmen. Und alles, aber wirklich alles, woran man bis dato noch glaubte, strengstens unter die Lupe nehmen und ggf. revidieren!

Gerard Menuhin