Menuhin und wie er die Welt sieht
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Kurzer Lehrgang über die Langeweile

Zugleich Dank an Herrn Lustiger für seinen Artikel
„Kurzer Lehrgang über den Selbsthass“

Zugleich Dank an Herrn Lustiger für seinen

Artikel „Kurzer Lehrgang über den Selbsthass“

Die Toleranz® und der Antirassismus® seien unter Euch!

Als Conoisseur des Überdrusses bin ich bestens vorbereitet, über die Langeweile zu urteilen. Obwohl manche behaupten, positive Entwicklungen zu entdecken, scheint mir, dass die Welt immer auf der Stelle marschiert. Wie der Surrealist André Breton sagte: „Gott des Fortschritts verzeihe mir, es ist immer das gleiche Mobiliar.“

Nur im Hintergrund wird eifrig am Untergang gearbeitet. Wenn wir alle von den Klippen fallen, dann im geistigen Gleichschritt. Aus dem siedenden Einheitsbrei, den wir von den gleichgeschalteten Medien übergeschüttet bekommen, steigen aber immer wieder stinkende Blasen auf.

Der 59-jährige Franzose Dominique Strauss-Kahn, Direktor des Internationalen Währungsfonds, hat ein „Unterhälfte-Problem“, wie die Japaner es angeblich nennen. Es wird untersucht, ob er einer ranghohen Mitarbeiterin der Afrika-Abteilung des IWF, einer gewissen Piroschka, mit der er eine Affäre hatte, Vergünstigungen zukommen ließ.

Wieso erinnert mich dieser Bericht an einen sehr ähnlichen aus der neueren Geschichte der Weltbank (Wolfowitz)? Oder an das unrühmliche Ende des letzten Präsidenten Israels (Katzaw)? Oder an den gerade zurückgetretenen Ministerpräsidenten (Olmert)?

Zugegeben, zionistische Politiker haben kein Monopol auf Korruption. Anscheinend aber haben sie ein Monopol auf politische Unkorrektheit – als selbstauserwählte Opfer und moralische Vorbilder, die sich zur Aufrechterhaltung ihres guten Rufs unzählige „Antidiffamierungsorganisationen” und „Foren” leisten. Und daneben tausende andere angriffsbereite Selbstverteidigungszellen namens „Antifa“, „honestlyconcerned“ – „ehrlich (!) betroffen“ – oder die peinlich benannte „Achse des Guten“. Da ist man regelrecht gezwungen, sie besonders unter die Lupe zu nehmen. Wer sich als höherstehend darstellt und sich zudem überheblich benimmt, fällt eben besonders auf und besonders tief, wenn er erwischt wird.

Auf die langmütige Bevölkerung aber, die am Ende für alle Gaunereien bezahlt (auch übrigens im Staate Israel), wirkt es höchst langweilig, wenn schon wieder ein führender Zionist seine Machtposition missbraucht.

Himmelschreiend langweilig sowie äußerst grotesk wird es, wenn einer wie Arno Lustiger immer aufs Neue sein Mantra von sich gibt. Besonders für uns kritische Juden, die wir uns nicht blenden lassen. Auch wenn wir uns deswegen „jüdischen Selbsthass“ unterstellen lassen müssen. In seinem jüngst in der FAZ erschienenen Artikel „Kurzer Lehrgang über den Selbsthass“ schrieb Lustiger:

„Zu den virulentesten jüdischen Selbsthassern gehört der amerikanische Sprachwissenschaftler Noam Chomsky. Zu ihnen zählt auch Moshe Menuhin, Vater von Yehudi Menuhin, der als ständiger Autor für die National-Zeitung schrieb. Gerard Menuhin, Yehudis Sohn, perpetuiert die rechtslastige Veranlagung seines Großvaters als Autor einer Kolumne ,Menuhin und wie er die Welt sieht‘, auch in der National-Zeitung.“

Wie es Arno Lustiger mit der Meinungsfreiheit hält, zeigte schon sein Aufruf zur Verhinderung der Vorstellung des Palästina-Buches von Rupert Neudeck, dem Retter unzähliger vietnamesischer Flüchtlinge:

„Als Überlebender des Holocausts, Mitbegründer der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main und als Ehrenvorsitzender der Zionistischen Organisation Frankfurt, neben meinen vielen anderen Tätigkeiten, bin ich schockiert, zur Kenntnis nehmen zu müssen, dass am 20.01.2006 eine höchst verachtungswürdige Veranstaltung ausgerechnet hier in Frankfurt, in der Heilig-Geist-Kirche am Dominikanerkloster stattfinden soll … Nein zu Antisemitismus (egal ob dieser von Selbsthassern ausgeht oder von anderen). Am Israel chai! Lang lebe Israel! ... Beste Grüße, Euer Arno Lustiger“

Lustiger ist ein hoffnungsloser Fall, aber anderen im selben ideologischen Fahrwasser möchte man zurufen: Zeigt endlich ein bisschen Individualität! Ich weiß, ihr habt eure Rolle zu spielen in dem weltweiten Theaterstück „Was ist gut für die Juden?“ Ich habe sogar eine gewisse Sympathie für Menschen, deren Leben von Geburt an vorprogrammiert ist und die deswegen keine Möglichkeit bekommen, eine menschenwürdige Existenz als Freidenker zu entwickeln. Aber wollt ihr wirklich für alle Ewigkeit so dastehen, wie ihr es jetzt in den Augen aufmerksamer Zeitgenossen – Juden und Nichtjuden – tut? Ihr seid wie wir alle Teil der großen Welt-Menagerie. Weder besser noch schlechter – wenn ihr es nicht wollt. Außer euren Vorurteilen habt ihr nichts zu verlieren.

Das ehrliche Judentum wird deswegen nicht leiden müssen. Auch ohne tägliche, in allen Medien verbreitete Wichtigtuerei, ohne selbst gezüchteten „Antisemitismus“, ohne zusätzliche Autobiographien falscher Überlebender, ohne Netzwerk können würdige Juden Stellungen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft bekleiden. Sie können weiter Nobelpreise erringen. Aber auch Nichtjuden haben das Recht, ihr Leben befreit von politischer Korrektheit zu führen, sich gegenüber Juden kritisch zu äußern oder die Geschichtsschreibung in Frage zu stellen. Und ich habe das Recht, die Zeitungen zu lesen, ohne immer wieder gegen das Gähnen kämpfen zu müssen.

Gerard Menuhin