Menuhin und wie er die Welt sieht
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Mügeln: Keiner weiß was, aber alle reden mit

Licht ist schneller als Schall. Davon profitieren manche Menschen, die intelligent wirken, bis man sie sprechen hört.

Im Kielwasser der jüngsten Vorfälle in Mügeln (Sachsen) melden sich Gesichtzeiger und andere Besorgte mit allerlei Theorien und Ratschlägen zu Wort – obwohl der Hergang noch immer ungeklärt ist.

Edathy, Thierse, Wiefelspütz ...

Ein Sprecher des „Bundesverbandes Informationswirtschaft und Telekommunikation“ (Bitkom) mahnte: „Solche Vorfälle wie in Mügeln sind verheerend für das Bild, das von Deutschland in anderen Ländern entsteht.“ Rätselhaft, was der „Bitkom“ mit der Sache zu tun hat. Aber immerhin versteht es dieser Mensch, indem er vorgibt, sich um das Bild von Deutschland im Ausland zu kümmern, sich unter die Gutmenschen zu stellen, wofür er fünf Streicheleinheiten bekommt.

Laut SPD-Innenpolitiker Edathy „ist noch nie ein Problem dadurch gelöst worden, dass man seine Existenz bestreitet.“ Wer will versuchen, die vielen Probleme in Deutschland aufzulisten, deren Existenz von der Politik laufend mehr oder weniger negiert wird? Die Massenarbeitslosigkeit, die Rente mit 67, die Kinderarmut, der Lehrstellenmangel, der Bildungsmangel, Gewalt an deutschen Schulen, das Multikulti-Versagen, die statistisch beweisbare Ausländerkriminalität, die fehlende Gedenkstätte für 15 Millionen deutsche Vertriebene, die nie erfolgte Wiedergutmachung für dieselben, die fehlende Gedenkstätte für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen und ermordeten Deutschen, das verlorengegangene deutsche Nationalbewusstsein ... All das sind anscheinend keine Probleme, sonst würde Herr Edathy sich unverzüglich und tatkräftig damit beschäftigen.

Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) meint, Rechtsextremismus sei zwar ein gesamtdeutsches Prob?lem, doch gebe es einen „besonderen ostdeutschen gewalttätigen Akzent, da ist nichts zu beschönigen“. Nun ist das, was Herr Thierse „Rechtsextremismus“ nennt, kein „Problem“, sondern eine politische Einstellung. Das Problem ist die Gewalt. Auch existiert der „Rechtsextremismus“ genau wie der „Linksextremismus“ in allen Ländern der Erde. Nur in Deutschland schämt man sich dafür.

SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz spricht sich für mehr Mittel für die Präventivarbeit gegen Rechtsextremismus aus. „Das Geld ist gut angelegt“, sagt er. Gut angelegt im Vergleich zu was? Zu US-Immobilien- und -Hypotheken-Fonds? Zugleich macht sich der gute Wievielputz für ein NPD-Verbot stark. Das Thema ist ja immer ein Renner. Aber niemand hat irgend eine Verbindung zur NPD feststellen können!

Eggert, Knobloch, Heitmeyer ...

Sachsens früherer Innenminister Heinz Eggert (CDU) fordert bei ausländerfeindlich motivierten Straftaten schnellere Verfahren statt schärferer Gesetze: „Es sollte einen Schulterschluss zwischen Staatsanwaltschaft und Polizei geben, damit innerhalb kürzester Zeit Anklage erfolgt.“ Man weiß nicht, gegen wen – Hauptsache sie erfolgt?

Dankbar nahm sich Frau Präsidentin Knobloch vom Zentralrat der Juden der Angelegenheit an: Es müssten alle Mittel für den Kampf gegen den Rechtsextremismus ausgeschöpft werden. Ohne selbstverständlich zu wissen, ob der Fall überhaupt auf das Konto des Rechtsextremismus geht. Immerhin kann sich der Zentralrat darauf verlassen, dass einige brauchbare Vorkommnisse pro Jahr passieren.

Zentralrats-Generalsekretär Stephan Kramer spricht von einer „offensichtlichen Gefährdungslage“ für Ausländer. „Gestern Farbige, heute Ausländer, morgen Schwule und Lesben oder vielleicht Juden.“ Und übermorgen, einfach alle, die der Bundesregierung oder dem Zentralrat nicht gefallen?

Wilhelm Heitmeyer von der Universität Bielefeld betont, für die Umsetzung einer demokratischen Kultur seien nicht nur die Politiker zuständig: „Man muss besonders die lokalen Eliten ansprechen. Sie müssen aufstehen und auf eine Veränderung des Klimas hinwirken.“ Also wieder eine von „Eliten“ – wer das auch sei – geführte Gesellschaft? Schön, dass dieser praktisch veranlagte Mensch einen Lohn dafür bekommt, dass er Direktor eines „Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung“ ist. Doch es ist nicht so lange her, da fand solch akademische Selbstbefriedigung kaum als ernsthaftes Fach Anerkennung.

Von den Abermillionen, die seit Jahren für „Präventivarbeit“ à la Wiefelspütz verschwendet wurden, mal abgesehen: Wünschen wir uns wirklich eine von dem Altparteien-Kartell auf Basis von auslandsgefügiger Propaganda gesteuerte Gesellschaft? Darf der normale Bürger sich darüber im Klaren sein, dass es einen Unterschied zwischen gewalttätigen Personen und den Vertretern einer legalen politischen Partei gibt? Und wo blieb der Aufschrei, als linke Gewalttäter des „schwarzen Blocks“ jüngst ein halbes Tausend Polizisten in Rostock verletzt haben?

... und das Parkinsonsche Gesetz

Mügeln zeigt, dass auch unpolitische, arbeits- und perspektivlose Leute gewalttätig werden können. Wie sie dazu gebracht wurden, harrt noch der polizeilichen Aufklärung.

Aber Mügeln kommt vielen gerade recht, denn da kann jeder seinen Senf dazugeben. Getreu dem Parkinsonschen Gesetz, dass die Themen am ausführlichsten diskutiert werden, bei denen die meisten mitreden können – und nicht jene Themen, die am wichtigsten sind, von denen aber nur wenige etwas verstehen.

Doch keiner dieser Braven schämt sich, den Mund geöffnet zu haben. Sie haben getan, was man von ihnen erwartet. Und bei einigen klingelt es künftig wohl noch etwas lauter in der Kasse.

Ich rate allen Volksvertretern, die verzweifelt nach neuen der Ablenkung dienenden Themen suchen, sich intensiver mit folgenden schwierigen Fragen auseinanderzusetzen:

– Soll die Mohnernte Afghanistans mit öffentlichen deutschen Geldern aufgekauft werden? (Ein Vorschlag von FDP-Generalsekretär Dirk Niebel)

– Soll es für verurteilte Sexualstraftäter Viagra auf Verordnung geben? (Auf diese Idee kam ein französischer Gefängnisarzt – merci, Monsieur le Docteur!)

PS: In meiner vorletzten Kolumne befasste ich mich mit der Konzentration der Medien in der Hand einiger weniger. Jetzt hat der Milliardär Sam Zell, 1941 als Sohn jüdisch-polnischer Immigranten in den USA geboren, die wichtige „Tribune“-Gruppe (dazu gehören unter anderem „Los Angeles Times“ und „Chicago Tribune“) gekauft.

Gerard Menuhin