Menuhin und wie er die Welt sieht
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Sollen das Deutschlands Vorbilder sein?

Zwischen Skylla EU und Charybdis USA

Deutschlands Lage erinnert mich an die Odyssee. Der Held des Trojanischen Krieges hat auf seiner zehnjährigen Heimfahrt viele Gefahren zu bestehen. Gerade ist er den Sirenen entgangen, die durch ihren zauberhaften Gesang die Seeleute ins Verderben locken. Schon findet Odysseus sich zwischen den Meerungeheuern Skylla und Charybdis wieder. Als er und seine Männer Charybdis ausweichen, kommen sie Skylla zu nahe. Diese packt sich sechs seiner Gefährten und zermalmt sie.

Skylla

Bis einschließlich 2006 steht das EU-Budget fest, danach ist alles ungewiss. Für 2005 beläuft es sich auf 106,3 Milliarden Euro. Im Moment sind die Gespräche über das Budget abgebrochen. Großbritannien weigert sich, den „Britenrabatt“ aufzugeben und fordert eine Senkung der Agrarsubventionen, die 46 Prozent der EU-Kosten ausmachen. Frankreich darf seinen Bauern nicht widerstreiten. Wie will Brüssel also die nächste Erweiterungsrunde finanzieren? 2007 kommen Bulgarien und Rumänien dazu. Kroatien und die Türkei sind „Kandidatenländer“.

Allein die Verwaltung der EU kostet jährlich sechs Milliarden Euro. Schon 2004 gab es 33.000 Beamte, 22.000 davon arbeiten für die Europäische Kommission. 2005 kamen als Folge der Erweiterung 1.250 dazu. Die Beamten der Europäischen Kommission „verdienen“ jährlich von 28.819 Euro (Türhüter) über 62.064 Euro (Verwaltungsassistent) bis zu 116.494 Euro (Generaldirektor). Ihre Stellungen sind lebenslänglich garantiert.

Diese Damen und Herren machen sich unentbehrlich, indem sie uns wertvolle neue Gesetze schenken. Denken Sie bitte nicht nur an die legendäre Verordnung Nr. 2257/94 der Kommission zur Festsetzung von Qualitätsnormen für Bananen, nach der deren Länge „mindestens 14 cm und die Dicke mindestens 27 mm betragen“ muss und Bananen keine „anomale Krümmung“ aufweisen dürfen! Es gibt ebenso wichtige Vorschriften für Karotten, Äpfel, Pfirsiche usw. Diese Bürokraten sind ihr Geld wert.

Charybdis

Welches Land hat Staatsschulden von fast 8 Billionen Dollar? Und 40 Billionen Dollar, also 136.479 Dollar pro Kopf, wenn man die Schulden der privaten Haushalte und der Unternehmen einbezieht?

In welchem Land sind 45 Millionen Einwohner (15,6 Prozent der Bevölkerung) ohne Krankenversicherung, darunter 8,4 Millionen Kinder (11,4 Prozent aller Kinder)?

In welchem Land leben 35,9 Millionen unter der Armutsgrenze (laut US Census Bureau liegt diese für eine vierköpfige Familie bei 16.660 Dollar Jahreseinkommen vor Steuern), darunter 12,9 Millionen Kinder? Welches Land hat 40 Millionen erwachsene Analphabeten (23 Prozent der Bevölkerung)?

Wenn die USA 500 Milliarden Dollar jährlich für Militär und militärischen Geheimdienst ausgeben und gleichzeitig Schulden in Höhe von 40 Billionen Dollar haben, erinnert das fatal an die letzten Jahre der UdSSR. Es ist egal, ob die US-Führung dabei von fehlgeleiteten religiösen Ideologien oder von zynischem Öl- und Welteroberungswahn getrieben wird. Denn früher oder später wird diese Politik zum Verhängnis werden.

Was tun?

Die Regierung Schröder hat nicht alles falsch gemacht. Sie hat den Irakkrieg abgelehnt und dadurch einen Anfang deutscher Souveränität gesetzt. Jetzt aber droht eine Regierung der C-Parteien die hündische Ergebenheit gegenüber den USA wiederherzustellen. Trotz der desolaten Lage der Bundesrepublik scheinen in solche Köpfe keinen frischen Gedanken einzudringen.

Bevor die Vereinigten Staaten unter den Kosten der Hochrüstung, ihren immensen Schulden und der Last ungebildeter Leute, die Bush zweimal an die Macht gebracht haben, zusammenbrechen, muss das verachtete „alte Europa’“ sich aus der Abhängigkeit lösen. Nicht die katastrophale EU, aber ein Europa vielfältiger Nationen muss jetzt seinen eigenen Weg gehen. Schon aufgrund ihrer Größe und ihres Wachstums sind Russland, China und Indien geeignete zukünftige Verbündete für Europa. Aber auch kleinere Länder wie Südkorea und der Iran bieten sich an.

Die Erwartung, dass Deutschland sich als selbständige Nation benimmt und seine Regierung ihre Kraft tatsächlich „dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden“ wird, wie es in ihrem Amtseid (Art. 64, 56 Grundgesetz) heißt, ist vielleicht weit hergeholt. Dazu müsste sie die USA in ihrer Eigenschaft als Besatzer und die EU in ihrer Eigenschaft als Blutsauger verwerfen. Bis es dazu kommt, werden die Wähler ihr noch den ein oder anderen sprichwörtlichen Schlag auf den Hinterkopf, der das Denkvermögen fördert, verpassen müssen.

Gerard Menuhin