Menuhin und wie er die Welt sieht
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„Super Jews“ in New York, Endzeit in Tel Aviv

Inzwischen haben wir begriffen, dass Zionisten zweigleisig fahren. Da sind zum einen die täglichen Anstrengungen‚ „Antisemitismus“ (also Kritik an irgendeinem jüdischen Gegenstand) auszurotten. Und da ist zum anderen das Bedürfnis, „Antisemitismus“ am Leben zu halten. Eine erschöpfende, aber gut bezahlte Vollzeitbeschäftigung. Ich weiß, es ist am Anfang verwirrend, sich mit diesem Doppelkonzept vertraut zu machen, besonders wenn man sein ganzes Leben ein braver Gutmensch gewesen ist.

Müller, Himmler, Kohl und Queen Mum – alle Juden?

Und jetzt kommt auch noch eine neue Masche dazu: Es gehen Menschen der Frage nach, ob nicht mehr oder weniger alle Juden seien. Wenn alle Juden wären, könnten sie kaum judenfeindlich sein, klaro? Und wenn doch, wenn wir uns alle gegenseitig hassten, wäre das einfach ein Fall von riesenhaftem Selbsthass – das von den Zionisten am allerliebsten gegen kritische Juden benützte Schimpfwort. Und da dies ein typisch jüdisches Benehmen ist, wäre das doch auch ein Zeichen unseres Omnihebräischseins?

Neulich bekam ich von einem Leser eine E-Mail mit dem Betreff „Das deutsche Volk ist ein jüdisches Volk“. Der Absender schickte mir zwei Internetseiten eines Vertriebs mit Hilfsmitteln für alle, die ihre jüdischen Wurzeln suchen: www.avotaynu.com/books/MenkNames.htm und www.avotaynu.com/books/DJSGNames.htm. Die erste Seite enthält eine Liste von Namen aus einem „Wörterbuch deutsch-jüdischer Familiennamen“, die zweite eine aus einem „Wörterbuch jüdischer Familiennamen aus Galizien“. Auf der ersten Liste werden Namen wie „Müller“ und alle Variationen von „Schmidt“ erwähnt. Auf der zweiten Liste kommen sogar „Himmler“ und „Hitler“ vor.

Anderswo las ich, dass Altbundeskanzler Helmut Kohl und selbst die Familie der „Queen Mum“ (Bowes-Lyon) jüdisch sein sollen. Bei Kohl ist diese Behauptung längst widerlegt. Bei der beliebten, in Gin eingelegten, 101 Jahre alt gewordenen Lady Elizabeth ist sie völlig abwegig.

Die wesentliche Frage ist, warum irgendjemand so etwas überhaupt in die Welt setzen möchte. Wem nutzt es?

„Gefilte Fisch und Glitzertangas“

Vielleicht bringt es „Sympathie“: Unter der Haut, im Herzen, sind doch alle Juden, nicht wahr? Wir sind wie ihr, ergo sind wir auch liebenswert. Die Welt hatte es mit Erpressung (Schweizer Banken), mit der Ritualisierung ewiger Schuld (Mahnmale) und mit „Toleranz“ (im spezifischen Sinne des Simon-Wiesenthal-Zentrum) zu tun. Jetzt geht man über zur Kameraderie, vielleicht die letzte Karte im Spiel. Aber sind Zionisten wirklich unsere Kameraden?

Seit längerem werden an der Ostküste der USA jüdische Sprach-, Ess- und sonstige Gewohnheiten vermarktet. Die schweizerische Zeitschrift „Weltwoche“ berichtete in ihrer Ausgabe Nr. 11/2007 zum Thema „Die jüdische Kultur wird trendy“: „Gefilte Fisch und Glitzertangas. Orthodoxe Modemacher, chassidische Rapper und koschere Slam-Poetinnen machen die jüdische Kultur hip. New York feiert sie als ‚Super Jews‘.“

Das unter dem Namen „He’Brew“ verbreitete koschere Bier erfreut sich längst nicht nur bei Juden der Beliebtheit. „Britney Spears lässt sich“, so vermeldet die Weltwoche, „hebräisches Kauderwelsch auf den Nacken tätowieren. Madonna nennt sich Esther und feiert den Sabbat.“ Unwiderstehlich, nicht wahr? Das Internet-Magazin „Slate“ mit Sitz in New York behauptet: „Die amerikanische Kultur beginnt das Jüdische als Zeichen von Hipness zu umarmen ...“

Gut, die erste Frage wäre wohl (ich nehme an, dass es Ihnen wurst ist, was „Slam-Poetinnen“ sind): Was heißt überhaupt amerikanische „Kultur“?

Spaß beiseite. Mancher würde solche Dekadenz als widerwärtig ablehnen. Ich nicht. Ich sehe es mit Sympathie. Diese oberflächliche Kameraderie ist der Beweis dafür, dass man erkannt hat, dass es immer schwieriger wird, der Masse auf Basis der alten Leiern Mitleid aufzuzwingen. Nun ist man wie jedermann – wie cool.

Tanz auf dem Vulkan

Aber das betrifft einige Schickimicki-Juden und ihre Anhänger, das klappt in New York. Es funktioniert dagegen überhaupt nicht in Tel Aviv, wo Juden in einer Art von Götterdämmerungswelt mit Nachtclubs, teuren Restaurants und Luxuswagen und allen Zeichen der Dekadenz feiern, als ob sie Karl Marx’ Behauptung, das Geld sei ihr weltlicher Gott, bestätigen wollten. Sodom und Gomorra? Tanz auf dem Vulkan? Man spürt das Ende einer Ära. Und schließt die Augen vor der Gefahr, von einem aufgebrachten Palästinenser mithilfe einer Bombe in die Luft gejagt zu werden.

Weit entfernt von Manhattan erzeugt die weltgrößte Ansammlung von Juden ihren Charme auf andere Weise. Aber es gelingt ihr nicht, ihre Kultur ihren Nachbarn näherzubringen – nicht auf die sanfte und auch nicht auf die harte Tour. Die Ureinwohner dieser Gebiete bestehen darauf, ihre Existenz ohne einen Hauch jüdischen Modebewusstseins zu gestalten. Sie sind für die jüdische Charme-Offensive unzugänglich.

Völlig vergessen sind im Tel Aviver High Life die nur einige Kilometer entfernten, sich durch ihr Leben quälenden Palästinenser, die oft nicht einmal Wasser haben. In Israel, diesseits der Mauer, geht es himmlisch gut. Scheinbar ganz wie Jehovah es dem auserwählten Volk versprach. Noch eine Weile. Die ebenso frivolen wie verzweifelten Exzesse sind deutliche Zeichen einer Endzeit. Diese Juden, die wahren jüdischen Werten den Rücken gekehrt haben, wissen: So kann es nicht lange weitergehen.

Gerard Menuhin