Menuhin und wie er die Welt sieht
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Täter und Schreibtischtäter

Harmonie und Recht und Klarheit!
Sympathie und Licht und Wahrheit!
Niemand wird die Freiheit knebeln,
niemand mehr den Geist umnebeln.“

Mit diesen Worten verkündete das 1967 uraufgeführte Musical „Hair“ das „Zeitalter des Wassermanns“. Bekommen haben wir inzwischen anscheinend ziemlich genau das Gegenteil. Ich nenne es einfach einmal das Zeitalter des Zionismus. So gut geht es den Zionisten, dass sie sich alles erlauben können. Mal mit Panzern einen souveränen Staat überfallen, mal vom Sessel aus über alle Medien ihre Kommentare abgeben. Obwohl ihre Meinungen meistens nur die Vorurteile ihrer Urheber zeigen, verbreiten zionistische Publizisten ihren verkehrten Glauben täglich im Fernsehen, als ob es das Evangelium wäre. Fast könnte man annehmen, man müsse nur Zionist sein, um ernst genommen zu werden. Andersrum wird auch ein Schuh daraus: Wenn ein Zionist dummes Zeug redet, wird ihm geglaubt – oder man ist in Deutschland zumindest so eingeschüchtert, dass man sich keinen Widerspruch leistet. Sonst würde man doch gleich mit dem Etikett „Antisemit“ versehen, nicht wahr? (Einst war „Antisemit“, wer etwas gegen Juden hatte – jetzt bezeichnet das Wort eher Menschen, die bei Juden unbeliebt sind.)

Redet Finkelstein „wirres Zeug“?

Für zahlreiche Publizisten, die sich offenbar für intelligent, gebildet usw. halten, scheint der Unterschied, zwischen dem, was begründet werden kann, und dem, was weder nachgewiesen noch nachweisbar ist, nicht zu bestehen. Ob es sich dabei um Wahrnehmungsstörungen oder um Arroganz handelt, läuft im Ergebnis auf dasselbe hinaus.

Wenn die „internationale Gemeinschaft“ wie selbstverständlich versucht, die Milliardenkosten des Wiederaufbaus im Libanon zu schultern, ohne von Israel Restitution zu verlangen, versteht man, warum die Zionisten so auftrumpfen, wenn sie sich nicht sogar verächtlich gegenüber dem Rest der Welt verhalten. Es ist gerade solche Unterwürfigkeit, die zionistische Publizisten und ihre Frechheiten beflügelt.

Henryk M. Broder ist ein extremes Beispiel. Statt Argumente ins Feld zu führen, schäumt er in seinem „Online-Tagebuch“ über Leute, die er kaum kennt, aber die sein Missfallen hervorgerufen haben. Ihm scheint es gar nicht mehr aufzufallen, dass er dabei nur Beschimpfungen von sich gibt. Unter dem Titel „Schmock der Woche“ hat Herr Broder eine ganze Kolumne eingerichtet, in der er hasserfüllt Ketzer aus seiner Sekte exkommuniziert. Literaturbeflissene erinnern sich: Mit dem jiddischen Wort „Schmock“ hatte einst Gustav Freytag in seinem Lustspiel „Die Journalisten“ den mittelmäßigen und opportunistischen Mitarbeiter der Zeitung „Coriolan“ bezeichnet, der Sätze von sich gibt wie: „Wie kann ich schreiben lauter Brillantes die Zeile für fünf Pfennige?“

Henryk M. Broder tut gut daran, seinen zweiten Vornamen abzukürzen. Das M. steht nämlich weder für Maledicus (der Schmähsüchtige) noch für Maleficus (der Übeltäter), sondern für Modest (von lat. „modestus“, bescheiden). Und bescheiden ist an ihm gar nichts. Ganz seinem „Stil“ entsprechend nannte er jüngst Prof. Norman Finkelstein „den Prototyp des jüdischen Selbsthassers“, der „echt irre“ sei, ein „Frankenstein-Gesicht“ habe und „wirres Zeug“ rede. Was wissen wir jetzt mehr, außer dass Herr Broder Herrn Finkelstein nicht leiden kann? Es spricht der blanke Neid: „Piper hat zwei Bücher von ihm verlegt.“ Ja, der renommierte Piper-Verlag hat zwei Bücher von Finkelstein und nicht von Herrn Broder verlegt – und der New Yorker ist noch dazu Professor!

Was es mit den „jüdischen Selbsthassern“ auf sich hat

Die renommierte Literaturzeitschrift „The Jewish Quarterly“ (London) urteilte dagegen über Finkelsteins Buch „Die Holocaust-Industrie“: „Finkelstein hat manche wichtige und unbequeme Themen zur Sprache gebracht... Die von ihm zitierten Beispiele können durch ihre Genauigkeit und Ironie atemberaubend sein.“ Und während Finkelsteins Bestseller in 24 Sprachen übersetzt wurde, hätten die Ergüsse Herrn Broders bereits in England keine Chance, weil er dort als schlechter Witz ankommen würde. Nur im armen, ängstlichen Deutschland lässt man ihn herumposaunen.

Ja, es gibt ganz viele, die nicht zu der Kirche von Herrn Broder gehören. Für diese antizionistischen Juden hält er die Anklage bereit, sie seien „Selbsthasser“. Das ist vielleicht die Behauptung, die am deutlichsten die Verzweiflung der Zionisten zeigt. Es gibt sogar eine Internetseite (http://www.masada2000.org/list-M.html), wo manche – immerhin 7.000 – Juden eher meiner Richtung aufgeführt sind. Dort wird auf schlimmste Art, aber mit kindischen Verleumdungen, in gebrochenem Englisch und mit quasi-analphabetischen Begriffen jeder Jude beleidigt, der es gewagt hat, Israel zu kritisieren (da ist auch mein lieber Großvater, auch Daniel Barenboim, der „pro-terror anti-Semitic orchestra conductor“). In der Tat, ganz auf der Linie von Herrn Broder.

Juden sind bekannt für ihre Vielfältigkeit, warum sollten sie alle das Gleiche denken? Wenn man anders denkt als manche Menschen der gleichen Religion oder Rasse, ist man dann gleich ein Selbsthasser? Herr Broder möchte oder will nicht verstehen, dass viele Juden seine Ansicht nicht teilen. Die Juden sollten doch zusammenhalten – gegen die Antisemiten oder sonst wen –, denkt er. Aber es sind genau die Ansichten und Taten der Zionisten, die die Welt unsicher machen und viele gegen Juden aufbringen. Und das hat teilweise durchaus Methode. Wiederholt ist ja die Befürchtung geäußert worden, dass die jüdische Gemeinschaft sich auflösen könnte, wenn der Antisemitismus verschwände, und dass Israel ohne einen äußeren Feind nicht überleben könnte.

Wie ist jemand zu verstehen, der seine Vorstellungen so sehr mit den Tatsachen verwechselt, seine Intelligenz und sein Gewissen so sehr mit seinen Emotionen verwirrt? Weil er innerlich so durcheinander sein muss, ist am Ende gar er selbst – ein „Selbsthasser“?

Baldrian!

Vom Schreibtischtäter zum Täter ist es nur ein Schritt. Aber schon manches Unglück konnte abgewendet werden, wenn der Betroffene rechtzeitig professionelle Hilfe in Anspruch nahm. Keine Sorge, Nervenärzte sind heute genauso einfühlsam wie kompetent: „Henryk, ich spüre Ihre Frustration, Ihre Sehnsucht und Not. Sie sagen sich: ‚Wenn nur diese verdammten Juden sich nicht immer wieder äußern würden – Judith Bernstein, Shraga Elam, Felicia Langer, Israel Shamir, Norman Finkelstein, Gerard Menuhin und abertausende andere. Wie schön die Welt wäre, wenn nur die Meinungen von Henryk erlaubt wären. Wenn nur der Finkelstein tatsächlich wirres Zeug geschrieben hätte!‘ Aber, sehen Sie, als meinen Patienten darf ich Sie nicht anlügen. Was in seinen Büchern steht, ist eine ganz nüchterne Analyse, sachlich begründet, mit Quellen belegt. Unbequem, aber sehr lesenswert. Also, was ist die Lösung? Hier sind Ihre Pillen, zwei wie üblich vor dem Einschlafen.“

Ich bin mir sicher, dass niemand einem Menschenfreund wie Herrn Broder ein solches Schicksal wünschen wird. Deshalb rate ich ihm, jede Überreizung zu meiden und das nächste Mal sein Beruhigungsmittel zu nehmen, bevor er sich aufregt. Ich wünsche ihm alles Gute, glauben Sie mir.

Gerard Menuhin