Menuhin und wie er die Welt sieht
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Tagebuch eines Politfriseurs

20. Mai. Kann es sein, dass ich in der National-Zeitung ein Bild des international berühmten Coiffeurs Ralph „Pipo“ Giordano gesehen habe? Na, der mit dem wallenden Haar. Der Pipo war immer bekannt dafür, dass er nicht in das Land seiner Urahnen gehen wollte, „weil die Bewältigung israelischer Locken einfach keine Herausforderung wäre“. Zudem hätte er vermutlich Einkommenseinbußen hinnehmen müssen. Hier in Deutschland war sein Salon immer mit Kundschaft regelrecht überfüllt, was im Ausland nicht der Fall wäre. Denn dort, klagt der Pipo, hat sich die Haarmode in den letzten 62 Jahren viel öfters geändert als in Deutschland.

Ein anderer, der wie der Pipo trotz einem deutlichen Hang nach Nahost Deutschland nicht aufgeben möchte, ist sein Kollege, der Bonvivant Paolo Pinkel. Pipo und Paolo wollen den Deutschen helfen, zu dem ihrer Meinung nach passenden Haarschnitt zu kommen. Sie hatten vor, den Scharlatanstylist-to-the-stars Elio Wieselotti auch einzubeziehen, aber der hatte einen „Bad Hair Day“.

Als Absolvent des Vidal Sassoon Center …

22. Mai. Mein Diplom vom Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism an der Hebrew University of Jerusalem ist heute per Post eingetroffen. Der Postbote hat mich bei der Übergabe des Kuverts so merkwürdig angeschaut, ich werde ihn wohl anzeigen müssen. Seine Glatze kam mir schon immer etwas verdächtig vor! Was geht es ihn an, dass ich im April beim Reisebüro Antifa diese Bildungsreise gebucht hatte, um den „Refresher Course“ „Antisemitismus für Anfänger“ aufsaugen zu können? Hervorragend dieses Zentrum, wo man gleichzeitig in den Bereichen Antisemitismus und Friseurphilosophie geschult wird! Ein Wochenende genügt, um zu promovieren. Hat man das absolviert, ist man auf eine Karriere entweder als Friseur oder als Aufklärer vorbereitet.

Unter den verschiedenen Lehrern ragte besonders der berühmte Befreiungstheologe und Rechtsextremismus-Experte Dr. Wilhelm Goldilocken heraus, der Leiter für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung, der über „Neue Strategien gegen Rechts“ dozierte.

Zum Beispiel sagte Dr. Goldilocken uns, dass mehr als 60 Jahre nach Kriegsende von einem normalen jüdischen Leben in Deutschland keine Rede sein könne. Die Juden stünden ständig unter dem gesellschaftlichen Druck, irgendein Verhältnis zur Shoa zu zeigen. Es sei durchaus nicht leicht, sich fast täglich einen neuen Blickwinkel auszudenken. Oft sei man auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen. So sei man erst durch die Antisemitismus-Überwachungsorganisation „B’nai B’rith Anti-Defamation Commission“ darauf aufmerksam gemacht geworden, dass eine Werbung für Bier, die auf das „deutsche Reinheitsgebot“ hinweist, äußerst taktlos ist. Obwohl dies doch offensichtlich ist, ist man erst im Januar 2007 darauf gekommen!

Mein Lehrer Dr. Goldilocken

Dr. Goldilocken erklärte uns, dass es zu wenig Projekte in Ostdeutschland gebe. Man müsse in Gebiete gehen, wo die Rechten besonders stark sind und nicht einfach warten, von woher Förderanträge eingehen. Die Programme seien bisher ineffizient, weil sie den Einzug der NPD in den Schweriner Landtag nicht verhindert hätten. Man müsse den Leuten zeigen, dass sie nicht klar denken. Man müsse demokratisch einwirken: also mit allen Mitteln gegen die Wahl rechter Parteien kämpfen.

Goldilocken weiter: „Mancherorts sitzen diese Leute schon in den Gemeinderäten, nur weil die Bürger sie gewählt haben. Diese Art der ‚Demokratie’ können wir nicht dulden. Der Kampf gegen Rechtsextremismus muss zu einer Daueraufgabe erklärt werden, nur dann gibt es eine Dauerförderung, die natürlich von unabhängigen Instituten evaluiert werden muss. Lokale Politiker dürfen jedenfalls nicht allein entscheiden. Es geht ja nicht um das Zusammenleben in der Gemeinde. Es geht um Initiativen. Und die müssen aufrütteln. Der Widerspruch gegen Rechtsextremismus droht zu erlahmen, weil Menschen glauben besser zu wissen, wen sie wählen sollen, als wir Wissenschaftler.“

So habe ich es mitnotiert, wenn auch leider nicht ganz verstanden. Aber ich habe vor, mich in diese Weltanschauung zu vertiefen.

24. Mai. Aus eigenem Erleben kann ich bezeugen, dass es überhaupt nicht stimmt, dass die vom Vidal Sassoon Center ausgegebenen Diplome zweitklassig sind. Samt Haarschnitt wurde ich sofort und mit Begeisterung in der „Aktionsgruppe Rhein-Neckar gegen Elitedenken“ aufgenommen.

27. Mai. Ich komme ins Gespräch mit dem Online-Guru DJ Hank Brodyk, Erfinder der Show „Welches Leben passt zu mir?“ Brodyk erzählt uns, wie wir am schnellsten an EU-Gelder für Antifaprojekte kommen können. Wenn zum Beispiel drei oder mehr EU-Länder sich auf ein Antifaprojekt einigen sollten, dann kann dieses durch EU-Mittel unterstützt werden, die uns sonst nicht zur Verfügung stehen würden. Brodyk setzt sich für die Standardisierung der Haarmode ein: Es soll nur noch drei Frisuren geben: Modell A wie Antifa, Modell T wie Toleranz bis und Modell Z wie Zivilcourage. Dazu jeweils eine passende Bedenkanleitung.

Waschen, Schneiden, Fönen plus 30 Minuten Gehirnwäsche

1. Juni. Pipo, Paolo und ich eröffnen den Antifasalon in Berlin. Unser unwiderstehliches Angebot: Waschen, Schneiden, Fönen plus 30 Minuten Gehirnwäsche für 65 Euro. Ciao for now!

Gerard Menuhin