Menuhin und wie er die Welt sieht
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Warum braucht ein Pferd ein Trottinettli?

Warum braucht der Exportweltmeister Deutschland die EU? Warum braucht ein Pferd ein Trottinettli (wie die Berner Oberländer einen Roller nennen)? Eben.

Schon das zum 1. Januar 1986 mit dem Beitritt von Portugal und Spanien entstandene „Europa der 12“ war für Deutschland eine schlechte Anlage. Aber dazu Polen, Tschechien und Ungarn zu holen, wie es 2004 – Europa der 25 – geschah, war wirtschaftlich kompletter Unfug. Was also ist von der jüngsten Empfehlung der EU-Kommission zu halten, Anfang 2007 Rumänien und Bulgarien als 26. und 27. Mitgliedsland aufzunehmen?

Bereits in den siebziger Jahren haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Anhäufung von gemischten Interessen zu Firmenuntergängen führt. Statt weiter dem – vorsichtig ausgedrückt – stark diversifizierten Konglomerat EU anzugehören, muss sich Deutschland auf seine Kernkompetenzen und auf seinen im Grundgesetz definierten „Unternehmenszweck“ (Wohl und Nutzen des deutschen Volkes) konzentrieren, sich der Forschung widmen, Beziehungen zu neuen Märkten aufbauen. Es kann nicht mehr länger anderen als Melkkuh dienen.

Höchste Zeit, über einen EU-Austritt nachzudenken

Mit dem praktisch feststehenden Entschluss der EU, jetzt auch noch Rumänien und Bulgarien zu EU-Mitgliedern zu machen, wird die Lage weiter verschlimmert. Was soll Deutschland, das den größten Anteil am EU-Haushalt finanziert, mit diesen ewigen Drittligisten verbinden? Und im Hintergrund wartet schon die Türkei. Aber da Brüssel und seine Gefolgsleute unbedingt, gegen alle Vernunft und im Widerspruch zu ihren eigenen Regeln diese Länder ins Boot ziehen wollen, ist es höchste Zeit für Deutschland sich zu überlegen, ob es nicht aus der EU austreten sollte.

Noch sind die EU-Mitglieder souverän, so dass sie nach allgemeinen völkerrechtlichen Regeln den Austritt aus der EU erklären können – wie Grönland, das 1985 nach einer Volksabstimmung aus der Europäischen Gemeinschaft austrat. Wegen der Überfischung grönländischer Gewässer.

Auch Deutschland ist „überfischt“. Es sollte also der EU mitteilen, dass es auszutreten beabsichtigt. In einem Vertrag können die künftigen Beziehungen zur Europäischen Union geregelt werden – Grönland beispielsweise hat nach wie vor den Status eines assoziierten Landes mit den Vorteilen einer Zollunion.

Frankreich, Großbritannien, das sowieso nur halbherzig dabei ist, und Italien haben ebenfalls Gründe genug zum Verlassen der EU. Vermutlich würden die Niederländer, die sich gegen die EU-Verfassung stark gemacht haben, folgen. Profiteure wie Polen, Irland, Spanien, Portugal und Griechenland werden hingegen der EU erhalten bleiben, bis die Unterstützungsgelder versiegen. Dann kann die „Europäische Union“, von Politikern geführt, die offensichtlich nie Geografie gelernt haben, eigenmächtig die Türkei, Israel und – warum nicht? – Kolumbien ins (sinkende) Boot holen und sich in alle Himmelsrichtungen ausdehnen, wenn sie dazu Lust hat. Die alten EU-Mitglieder dagegen können sich ungestört auf ihre eigenen Kräfte stützen. Was internationale Wirtschaftsverträge angeht, eröffnet sich diesen starken Europäern mit China, Indien, Iran, Japan und Südkorea ein weites Feld.

Dann werden wir Feuerwerke sehen. Auf deutscher Seite einen nationalen Lauf in Richtung auf Vollbeschäftigung; auf EU-Seite den zum Scheitern verurteilten Versuch, von Kolumbien – vielleicht unter Hinweis auf die nicht einmal hundert Jahre zurückliegende Ermordung und Versklavung der Indios im Amazonas-Tiefland – überhöhte Beitragszahlungen zu erpressen. Das wird ein komisches Spektakel sein.

Die verdiente Quittung

Und was ist mit dem ewigen Widersacher USA? Ja, der Dollar ist zum Untergang verdammt. Es braucht nur genügend Länder, die eine Gegenwährung unterstützen. Dann wird es dem Big Pretender gehen wie einem angestochenen Luftballon. Aber es gibt doch den Euro, sagen Sie. Ja, aber nur als Schattenalternative, da Brüssel als Amerikas Kaninchen den Alleingang nie wagen würde.

Für die wieder selbstständigen europäischen Länder könnte es eine beliebte Reservewährung geben: die Deutsche Mark. Stimmt, Frankreich wäre dagegen. Aber nach der Wahl 2007 könnten wir ein ganz anderes, polarisiertes Frankreich erleben. Ein Land, das in den nächsten Jahren mit seinen inländischen Problemen mehr als beschäftigt sein wird.

Und Deutschland? Wie weit wird die lispelnde, kleinschrittige Kanzlerin es bringen? Ich will eine bescheidene Vorhersage wagen. Die sicher nicht einmal von ihr selbst als „Durchbruch“ verstandene Gesundheitsreform macht erneut klar, wie kurzsichtig und uninspiriert die Große Koalition regiert. Die Langzeitarbeitslosigkeit wird gleich bleiben, wenn nicht noch steigen. Der Kongoeinsatz wird nicht vier Monate dauern, sondern ohne absehbares Ende verlängert werden, wie der Einsatz in Afghanistan. In beiden Ländern wird es zu Angriffen auf deutsche Soldaten kommen. Die Große Koalition wird so unpopulär, dass es zu Neuwahlen kommen wird. Und zwar schon vor Ende 2007. Dann muss etwas geschehen. Dann muss die wachsende Mehrheit, die sich weigert zur Wahl zu gehen, doch ihre Meinung abgeben. Und die etablierten Versager würden endlich die verdiente Quittung bekommen.

Gerard Menuhin