Menuhin und wie er die Welt sieht
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Wegwerfmentalität gegenüber Bürgern

Die „westliche Wertegemeinschaft“ nach den US-Wahlen

Wenn im Auftrag einer Regierung in einem weit entfernten Land um die 3.000 eigene Soldaten getötet und um die 20.000 verwundet werden, kann diese Regierung bei Wahlen eine Rüge erwarten. Wenn diese 23.000 jungen Leute zusätzlich umsonst gestorben oder verwundet sind, muss die Regierung damit rechnen, durch ein Misstrauensvotum abgelöst zu werden.

Gleichwohl musste das Bush-Regime bei den jüngsten US-Wahlen zwar eine Rüge hinnehmen, es ist aber keineswegs von Ablösung bedroht. Dabei ist dieses Kabinett der „Neokonservativen“ für so viel Leid und Missregierung verantwortlich und sind seine Abgeordneten in so viele Skandale verwickelt, dass eigentlich zu erwarten gewesen wäre, dass die Demokratische Partei sofort ankündigt, durch eine Reihe von Kommissionen und Untersuchungen den Präsidenten aus dem Amt zu treiben. Was soll erst noch geschehen?

Den nötigen Politiker kann man kaufen

Es mag daran liegen, dass in den USA die Politik weniger als Staatsdienst denn als Quasi-Geschäft verstanden wird. Jeder amerikanische Politiker wirtschaftet für sich. In Amerika sind Politiker häufiger käuflich als in Europa und für Unternehmen ist es nahezu selbstverständlich, sich einen Politiker anzuschaffen. Deshalb geben wichtige Gönner der beiden Parteien in den USA große „Galadinners“, für die die Gäste Tausende Dollars pro Kopf ausgeben. Sie haben dann die Gelegenheit, mit dem betreffenden Politiker – vielleicht sogar mit dem Präsidenten – einige Worte zu wechseln, sich mit ihm ablichten zu lassen (eine „photo opportunity“) und herauszufinden, ob es sich lohnt, ihn mit einer größeren Menge Geldes zu kapern. Deshalb werden auch die klügsten Amerikaner oft nicht Politiker, sondern Kaufleute – kann man doch den nötigen Politiker immer noch erwerben.

Im Bundesstaat Connecticut ist Joe Lieberman trotz seiner hündischen Ergebenheit gegenüber Präsident Bush (der Lieberman nach der präsidialen Rede an die Nation im vergangenen Jahr den symbolträchtigen Kuss verpasste) wiedergewählt worden. Laut Associated Press hat Lieberman im Jahr 2000 83.000 Dollar von pro-israelischen Lobbygruppen bekommen, als er für seinen Sitz im Senat kandidierte. Und obwohl er sich während des Senatsrennens 2006 im Allgemeinen von der Außenpolitik ferngehalten hat, versicherte er nochmals seine kräftige Unterstützung für Israel.

In England ist vor kurzem der Labour-Lord Levy (früher Michael Abraham Levy und Manager des Pop-Sängers Alvin Stardust; inzwischen „Cash Point“ genannt und als „führender internationaler Zionist“ beschrieben) als Händler von Ehrentiteln für Parteispenden entlarvt und in den letzten fünf Monaten zweimal wegen dieses Treibens verhaftet worden. Je wichtiger der Titel, desto höher war die zu zahlende Summe. England ist eben altmodisch: dort geht es nicht immer um geschäftliche Interessen. Die Politik Europas ähnelt gleichwohl allmählich der der USA, nicht nur indem Politiker sich Vorteile durch enge Verbindungen zur Industrie erhoffen und sich durch geheime Nebentätigkeiten bereichern, sondern auch indem sie ungeniert am Volk vorbeiregieren.

Ist Deutschland bald auch so weit?

Es ist in Amerika leichter als in Europa, das Volk zu betrügen, da Amerikaner sich durch die Boulevardpresse (wenn sie überhaupt lesen) und durch Fernsehsender wie Fox-tv informieren (dessen Besitzer Murdoch zionistisch geneigt ist) und stets bereit sind, die letzte Nachricht zu glauben, auch wenn sie der vorletzten genau entgegengesetzt ist. So hat „Arnie“ es verstanden, die kalifornischen Wähler seine Fehler vergessen zu machen, indem er in letzter Minute seinen Kurs in Richtung der Demokraten gesteuert hat – mit dem Ergebnis, dass er als Republikaner Gouverneur von Kalifornien geblieben ist.

In Deutschland gab es die Geschichte mit den schwarzen Koffern, den Leuna-Verkauf, die Schreiber-Affäre, um nur einige größere Skandale zu erwähnen. Es kam aber noch nicht zu einer Wegwerfmentalität gegenüber den eigenen Bürgern, so dass für Weltherrschaftswahn und die unheilvolle Verknüpfung politischer und wirtschaftlicher Interessen Tausende von Soldaten umsonst sterben mussten wie in Korea, Vietnam oder im Irak. Und jetzt steckt Amerika wieder in einem Vietnam-ähnlichen Sumpf. Schauen wir in die Zukunft – sagen wir: in das Jahr 2010 – und nehmen wir an, dass Deutschland dann auch so weit wäre, dass reihenweise deutsche Soldaten sterben oder verwundet werden: in Afghanistan, im Kongo oder bei anderen von Deutschland weit entfernten Einsätzen, die selbstverständlich nicht das Geringste mit der Verteidigung Deutschlands zu tun haben. Wie würde das deutsche Volk auf eine solche Vergeudung jungen Lebens reagieren?

Würden dann Abgeordnete der etablierten „Volksparteien“, sei es der CDU oder der SPD, sich zu Wort melden, um die Regierung durch ein Misstrauensvotum abzusetzen? Oder werden die Zeiten noch mehr von Amerikagehorsam und amerikanischen Gewohnheiten geprägt sein als heute, so dass keiner einen Protest wagen würde?

Grund zum Aufatmen?

Da die Auslandseinsätze der Bundeswehr zu keinem erreichbaren Ziel führen können, haben sie auch kein absehbares Ende. Es ist also zu erwarten, dass deutsche Truppen langfristig mit diesen nutzlosen Aufgaben belastet bleiben. Auch wenn die Anwesenheit von deutschen Truppen indirekt deutschen Wirtschaftsinteressen förderlich sein sollte, wie es manch zynische Kommentatoren behaupten, ist das kein Grund, das Leben deutscher Soldaten in der Ferne zu opfern.

Sie werden nun vielleicht sagen: „Aber die Deutschen tun nur Gutes, zum Beispiel holen sie in Afghanistan Feuerholz für die Leute. Die legen nicht unter dem Vorwand der Verbreitung der Demokratie ein ganzes Land in Schutt und Asche.“ Glauben Sie, die Mehrheit der Einheimischen unterscheidet zwischen einer Uniform und einer anderen? Für sie sind die ausländischen Truppen Eindringlinge, die sich in ihre Angelegenheiten einmischen und dort nichts zu suchen haben. So sollten wir es auch sehen.

Was kümmern Deutschland die angeblichen Vorteile der NATO-Mitgliedschaft, wenn dieser Verein nur besteht, um die Komplotte Washingtons zu verwirklichen? Amerika gleicht, wenn es seine Werte weltumspannend zu verbreiten sucht und mit seiner Riesenrüstung um sich schlägt, einer Maschine aus der Science Fiction, die blind und ziellos über ganze Landflächen stolpert und Grauen und Verwüstung hinterlässt. Wo immer es auftritt, hinterlässt es Zustände, die viel schlimmer sind als vor seiner Einmischung. Weiß die Maschine tatsächlich nicht, was sie tut? Die Gruppe, die dieses Ungeheuer steuert, weiß ganz genau, worum es geht. Es geht darum, zivilisierte Völker zu unterwandern, zu erniedrigen und umzuerziehen, bis sie das gleiche Maß an Ignoranz erreicht haben wie große Teile der amerikanischen Bevölkerung, um sie dann völlig in ihre Macht zu bekommen. Diese Gruppe hat zwar bei der letzten US-Wahl einen Rückschlag erlitten, aber sie ist keineswegs geschlagen. Sie ist zäh und in allen Bereichen vertreten und benützt unsere Gleichgültigkeit. Trotzdem kann die Welt nach den Wahlen vielleicht etwas aufatmen, da das rücksichtlose Bush-Regime jetzt seine Politik nicht ganz so leicht durchsetzen kann.

Gerard Menuhin