Menuhin und wie er die Welt sieht
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Wenn ich nicht weiter weiß, frage ich meinen Onkel

Bei Bechsteins

Sag, Onkel, wer sind die Schlimmen?

Die Rechtsextremisten, das habe ich dir doch schon tausend Mal gesagt.

Ich komme damit einfach nicht klar: Rechtsextremisten, Neonazis, Antisemiten, Skins...

Die sind alle gleich. Eine kleine Bande von Idioten. Du musst deine Schulkameraden vor ihnen warnen.

Aber, Onkel, wenn es nur eine kleine Bande ist, dann stellen sie doch keine Gefahr dar, oder?

Es sind auf jeden Fall zu viele.

Unsere Lehrerin sagt, freie Wahlen gehören zur Demokratie.

Aber diese Leute darf man nicht wählen. Nur einige Idioten wählen sie. Du wirst später dein Kreuz bei der CSU machen!

Und wir müssen vor einigen wenigen Idioten, die von einigen wenigen anderen Idioten gewählt werden, Angst haben?

Es werden mehr.

Warum werden es mehr?

Weil die Leute unzufrieden sind.

Warum sind sie unzufrieden, Onkel?

Weil es sehr viele Arbeitslose gibt.

Und die werden die Rechtsextremisten wählen?

Die Gefahr besteht.

Dann sind es aber viele Idioten.

Du bist zu jung, um das zu verstehen. Geh jetzt. Ich habe an einem neuen Gesetz zu arbeiten. Apropos: Warum hast du deine elektronische Fußfessel nicht an?

Aber Onkel, ich hab’ dir doch versprochen, dass ich meine Hausaufgaben in Zukunft immer machen werde!

Im Hause Osterwelle

Hallo, Onkel Fonzo, was machst du da?

Ich spiele mit meinem Gamecube. Übrigens, du kannst mich einfach „Fonzo“ nennen. Ich bin dein Kumpel. Ich bin nicht nur im Big-Brother-Container ein cooler Typ.

Wie du willst. Aber Onkel, äh Fonzo, du bist doch Parteivorsitzender, nicht wahr? Wie schaffst du es, die Probleme des Landes zu lösen und gleichzeitig Gamecube zu spielen und bei Big Brother mitzumachen?

Weisst du, Politik muss Spaß machen. Hab’ ich dir von meinen Fonzomobil erzählt?

Meine Mutti sagt, sie hätte nichts gegen mehr Spaß im Leben. Nur können wir uns nichts mehr leisten, seit Vater seinen Job verloren hat.

Das ist genau der Punkt. Die FDP will dazu beitragen, dass die Leute in Deutschland wieder positiv und ohne Angst in die Zukunft schauen können – und auch Spaß haben. Ich habe Spaß am Reiten und Spaß auf Mallorca.

Ich hätte auch gern Spaß, aber ich würde zuerst gern eine Lehrstelle bekommen.

Ja, sicher. Das wird sich schon finden. Irgendwie. Die anderen Parteien können reden soviel sie wollen, entscheidend ist, was hinten rauskommt. Aber jetzt lass mich noch eine Runde spielen!

Beim strengen Otto

Onkel Otto!

Nicht jetzt, ich muss arbeiten.

Onkel, was ist Vergagabewältigung?

Vergangenheitsbewältigung? Die Deutschen müssen für ihre Schuld an dem, was vor 60 Jahren geschah, büßen.

Wie in der Kirche, wenn wir um Vergebung unserer Sünden beten?

So ungefähr.

Oder wenn ich beichten gehe und der Pfarrer mir sagt, ich soll zehn Ave-Maria aufsagen.

Nicht ganz. Wir bauen stattdessen zehn Mahnmale, wenn du so willst. Und es geht um Geld.

Wir geben auch immer etwas in den Klingelbeutel. Aber ich verstehe noch etwas nicht!

Was denn? Du siehst doch, dass ich gerade meine Kontoauszüge prüfe! Da ist ja die Aufwandsentschädigung. Aber wo zum Teufel ist nur das Ministergehalt?

Das Geld, das wir in der Kirche geben, das ist unser Geld. Das Geld, das Deutschland bezahlt, das ist nicht deins, oder?

Naja, es ist unser aller Geld für unser aller Schuld.

Du gibst also das Geld von anderen weg. Muss ich das auch bezahlen, wenn ich erwachsen bin?

Ja, selbstverständlich.

Aber was habe ich denn getan?

Gesetz ist Gesetz. Du wirst dich daran gewöhnen.

Ist schon gut, ich kriege eh keine Stelle. Dann muss ich auch nichts bezahlen, oder?

Als mein Neffe kriegst Du eine Stelle, verlass dich drauf!

Gerard Menuhin