Menuhin und wie er die Welt sieht
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Wozu dient der Kampf gegen „Antisemitismus“?
Nicht Juden, sondern Iraner sind derzeit in Gefahr

Als Enver Hoxha (1908-1985) vierzig Jahre Alleinherrscher Albaniens war, galt dort eine paranoide Ideologie der Verteidigung. Überall im Land standen kleine Festungen, ähnlich einer Briefkastensäule, aber groß genug für ein Maschinengewehr. Damit sollte im Fall eines Angriffs des „Großen Satans“, der USA, das kleine Land verteidigt werden. Doch hatte der Große Satan kein Interesse, das arme Albanien anzugreifen – und ebenso wenig die Sowjets.

Der verordnete Verfolgungswahn

Der verordnete Verfolgungswahn aber diente dem Diktator dazu, seine Untertanen ewig in der Defensive zu halten. Wenn ein Land ständig auf der Hut ist und täglich einen feindlichen Angriff fürchtet, wird die Lebensqualität unwichtig oder verliert zumindest an Bedeutung. Die Ideologie des andauernden Bedrohtseins schützt vor anderen, differenzierteren Wahrnehmungen.

Wer derzeit die Medien der westlichen Welt verfolgt, muss annehmen, dass heute „Antisemitismus“ und „Rechtsextremismus“ die größten Bedrohungen darstellen und Juden und Israel in Gefahr sind. Die Vorstellung soll sein: Der kleine David Israel verteidigt sich tapfer gegen den Goliath der umliegenden arabischen Nationen.

In Wahrheit sind die arabischen Staaten weder einig noch stellen sie eine Bedrohung für das hochmodern und mit Nuklearwaffen gerüstete Israel dar. Das ideologische Ziel der Zionisten ist es nach wie vor, ein Groß-Israel zu schaffen – auf Kosten der Palästinenser, die seit der Gründung des Staates Israel schätzungsweise 80 Prozent ihres Besitzes verloren haben. Bis zur Erreichung dieses Ziels „verteidigt“ sich Israel nach vorne.

Warum also sollten Nichtjuden und nicht-zionistische Juden Interesse an einem kleinen, sehr weit entfernten Land haben, das ständig für Aufregung sorgt und weiter nach Groß-Israel strebt? Ein solches Interesse lässt sich nur aufrecht erhalten, wenn das Gefühl der ständigen Bedrohung unter Juden nicht zum Erliegen kommt. Deshalb streuen Israel und seine Mitstreiter stets den Gedanken, dass, wenn ein „zweiter Holocaust“ stattfinde, der einzige Zufluchtsort Israel sein werde. Deshalb müssen Juden angeblich den Staat Israel unterstützen. Deshalb fühlen sich Juden nicht selten dazu verpflichtet.

Die Zeit der Auschwitz-Gedenkfeiern ist für solche Angstmacherei geradezu prädestiniert. Die Erinnerung an den Holocaust, ein beweisbares Unrecht an Juden, ewig gegenwärtig zu halten, ist für Israel und internationale jüdische Dachorganisationen sozusagen die Grundlage, um die Vorstellung eines „zweiten Holocaust“ selbst unter Nichtjuden zu verbreiten.

Auschwitz wird mehrfach instrumentalisiert

60 Jahre nach Kriegsende droht diese Erinnerung naturgemäß zu verblassen. Daher werden mehr und pompösere Mahnmale denn je gebaut, wird lauter denn je getrommelt, um jedermann, vom kleinen Kind bis zum Eskimo, die damaligen Verbrechen an Juden vor Augen zu halten.

Aber Auschwitz wird mehrfach instrumentalisiert. Wenn Herr Schröder, der doch deutscher Bundeskanzler ist, erklärt, dass der Mord an Juden „Teil unserer nationalen Identität“ sei, ist das nicht nur billige Kriecherei. Denn zugleich warnt Schröder vor „Antisemitismus“ und „Rechtsextremismus“ – zwei Begriffe, die er aus Bequemlichkeit und aus politischem Kalkül zusammenschaufelt.

Doch haben rechte Parteien in einer Demokratie ebenso viel Existenzberechtigung wie linke. Wenn diese Parteien bei den Wählern Unterstützung bekommen, ist das ein demokratisches Phänomen und ein Zeichen der Rückkehr zur europäischen Normalität. Es berechtigt nicht zu dem Versuch, die Wähler mit allen Mitteln von ihrer Wahl abzuschrecken, oder dazu, schon wieder nach dem Verbot einer Partei zu rufen.

Jede Verbindung zur Wählerschaft verloren

Die Parolen von Herrn Schröder und anderen deutschen Politikern, die versuchen, ihre Position zu stabilisieren, indem sie missliebige Parteien dämonisieren, ähneln den Sprüchen von Hoxha über die auch einst nur in der Illusion bestehende Bedrohung.

Während sich deutsche Politiker im Kampf gegen „Antisemitismus“ und „Rechtsextremismus“ befinden, werden jetzt aus einem Gemisch von fundamentalistischen Motiven, Ölinteressen und israelischen Interessen womöglich die USA den Krieg gegen den Iran eröffnen, weil dieser die Frechheit hat, ein Atomprogramm zu verfolgen. Wer also ist tatsächlich bedroht? Es sind derzeit an erster Stelle unschuldige Iraner. Für sie sollten unsere Politiker, die allzu gern unter den Mächtigen der Welt sitzen, die jede Verbindung zu ihrer Wählerschaft verloren haben und deren eigentliche Wünsche ignorieren, eintreten.

Gerard Menuhin