Menuhin und wie er die Welt sieht
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Zweierlei Einmischung

Traurig, traurig: Wohlmeinende Politiker können sich nicht einmal treffen, ohne von unzufriedenen Menschen gerügt zu werden.

Fall 1: Israels Botschafter gegen die Schweiz

Die Feier zum 50-jährigen Bestehen der „Gesellschaft Schweiz-Israel“ am 9. Dezember 2007 war von Misstönen überschattet. Der israelische Botschafter in Bern, Ilan Elgar, kritisierte die Schweiz in einem Interview mit der Zeitung „Sonntag“. Er warf ihr „unnötige Interventionen“ im Atomstreit des Westens mit dem Iran vor. Der Iran sei für Israel das gefährlichste Land im Nahen Osten, „da sollte man nicht hingehen und sich einschalten“, sagte Elgar. Zudem sei Israel stark irritiert, dass die Schweiz sowohl die Hamas als auch die Hisbollah als Gesprächspartner akzeptiert habe. Beide Organisationen wollten Israel zerstören und die Abkommen der Palästinenser mit Israel nicht akzeptieren. Solange dies so sei, „kann man nicht mit ihnen reden“; daran hielten sich sowohl die USA als auch die EU. „Dass die Schweiz hier ausschert, schwächt die Position der internationalen Gemeinschaft“, meinte Elgar.

Lassen wir die Frage beiseite, ob es in Ordnung ist, wenn ein Diplomat in der Presse sein Gastgeberland kritisiert. Lassen wir auch beiseite, warum es eine Schweizer Bundespräsidentin nötig hat, in ihrer offiziellen Eigenschaft an der Feier eines privaten Vereins teilzunehmen. Ich gehe davon aus, dass sie weder an den Feiern der „Arab-Swiss Chamber of Commerce“ teilnimmt noch bei der 95. Mitgliederversammlung der Handelskammer Deutschland-Schweiz am 9. Juli 2007 anwesend war.

Die Äußerungen dieses Diplomaten sind als die gewohnte Propaganda einzustufen. Erstens ist die Hamas die gewählte Regierung der Palästinenser. Zweitens wissen wir jetzt, dass der Iran, wenn er es denn je tat, seit spätestens 2003 nicht mehr an Atomwaffen bastelt. Ist Herr Elgar nicht darüber informiert, glaubt er, die Schweizer seien es nicht, oder betreibt er die bekannte zionistische Masche, alle den Interessen der Zionisten zuwiderlaufenden Tatsachen seien nicht existent?

Fall 2: Merkel kontra Simbaland

Beim „Afrika-Europa-Gipfel“ in Lissabon warf der sonst nette, bei seinen Untertanen beliebte Ministerpräsident Mugabe vier Ländern der EU „Arroganz“ vor. Mit verbalen Attacken hat Simbabwe auf die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Menschenrechtslage in dem afrikanischen Land reagiert. Frau Merkel sei eine „Rassistin“, „Faschistin“ und ein „Überbleibsel der Nazis“, sagte Informationsminister Sikhanyiso Ndlovu nach Angaben der staatlich kontrollierten Zeitung „The Herald“. Das Blatt zitiert ihn mit den Worten: „Sie sollte zu Simbabwe den Mund halten oder verschwinden. Simbabwe ist keine deutsche Kolonie, das ist höchster Rassismus von einem deutschen Regierungschef!“

Höchste Ironie ist es zweifellos, dass jetzt auch die Merkel selbst von dem gegen die patriotische deutsche Opposition so oft eingesetzten Vorwurf des „Rassismus“ und „Nazismus“ getroffen worden ist.

Heißt das, dass die von deutschen Regierungen jahrzehntelang betriebene und propagierte deutsche Selbstgeißelung und Vergangenheitsbewältigung nichts genutzt hat? Oder heißt es – oh Schreck! –, dass es dem deutschen Gutmenschentum nicht gelungen ist, sich von dem Rest der perfiden Deutschen zu trennen?

Die Schlussfolgerung davon – und es schmerzt mich unendlich, es erkennen zu müssen – ist, dass nur ein Minister irgendeiner afrikanischen Diktatur mit einigen Schimpfwörtern um sich zu werfen braucht, damit offenbar wird, dass die ganze Kriecherei umsonst gewesen ist. Man erinnert sich an den finsteren Tölpel Berlusconi, der 2003 im Europaparlament den SPD-Politiker und Berufsbewältiger Martin Schulz als „Kapo im KZ“ anpöbelte. Solange Deutschland Masochismus betreibt, werden auch ausländische Sadisten Kapital daraus schlagen. Das mag der deutschen Kanzlerin passen – aber doch nicht, wenn es gegen sie selbst geht?

Die Merkel ist Kritik nicht gewöhnt, besonders nicht Kritik aus dem Ausland. Ist sie doch immer bestrebt, sich bei allen wichtigen Menschen beliebt zu machen. Nur die fast Stimmlosen wie die Palästinenser ignoriert sie.

Und was beide Fälle unterscheidet

In Simbaland haben die Bewohner leider den hinterlistigen Onkel Scar noch nicht wegrevoltiert. Doch die Beschuldigungen ihrer Führung sind kaum ernst zu nehmen. Eine „Faschistin“ ist die Kanzlerin nicht. Wenn man die von Schäuble geplanten Gesetze ansieht, klingt so eine Anschuldigung ohnehin eher altmodisch. Und eine „Rassistin“ ist die Merkel höchstens in Vertretung derer, die es sind.

Es bleibt aber der Vorschlag, dass sie verschwinden solle, wenn sie den Mund (über Simbabwe) nicht halten kann. Da hat der Herr Minister möglicherweise etwas Richtiges gesagt. Vom Verschwinden der Merkel träumen nicht wenige in Deutschland. Ob die Simba-Bürger (überwiegend vom Volk der Shona) da irgendeinen hilfreichen Zauber kennen?

Allerdings unterscheidet sich die Kritik Simbabwes an der deutschen Kanzlerin von der Israels an der Schweiz in einem wichtigen Punkt. Während die Merkel sich in die inneren Angelegenheiten – seien sie noch so schlimm – Simbabwes einmischte, wird die Schweiz dafür gerügt, dass sie sich für eine friedliche Lösung des Atomstreits mit dem Iran einsetzt. Aber aus Gründen, die dem normalen Bürger nie erklärt wurden, darf Israel sich offenbar stets einmischen.

Weil die Meinungen des Herrn Minister Ndlovu ganz gut zur ewigen Schuld Deutschlands passen, bringt diese Episode wahrscheinlich mindestens Herrn Botschafter Elgar zum Schmunzeln. Doch an der Lage Deutschlands ändert sich nichts, wenn Deutschland sich nicht von innen nicht ändert. Vielleicht ist ein Achselzucken die beste Haltung. Ist es je einem deutschen Politiker eingefallen, weder etwas zu beschönigen noch in Sack und Asche zu gehen, sondern eine Na-und-Partei zu gründen?

Gerard Menuhin